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ADHS anders verstehen und behandeln


Erschreckend viele Kinder leiden unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), und anscheinend werden es immer mehr. Die bisherigen Hypothesen und medikamentösen Therapien sind nach Auffassung des bekannten Hirnforschers Prof. Gerald Hüther nicht zukunftsweisend bzw. problem-angemessen. Er stellt im Naturarzt einen anderen Denkansatz vor.

Die dominierende Lehrmeinung zu ADHS beruht auf der Annahme, es handele sich um eine angeborene Stoffwechselstörung im Gehirn: Das „Glückshormon“ Dopamin wird angeblich nicht richtig ausgeschüttet. In Deutschland werden gegenwärtig etwa 150.000 Kinder und Jugendliche mit niedrigdosierten Psychostimulanzien (v.a. mit Methylphenidat/Ritalin®) behandelt. Diese unterdrücken für ein paar Stunden die Symptomatik.

Die so behandelten Kinder zeigen bessere Schulleistungen. „Aber das ist“, so Prof. Hüther, „eigentlich Augenwischerei, denn verglichen werden müssten die Effekte der medikamentösen Behandlung mit den Effekten einer erfolgreich verlaufenen psychotherapeutischen, pädagogischen oder ergotherapeutischen Intervention. Und zwar mit einer, die wirklich dazu führt, dass die betreffenden Kinder und Jugendlichen die Erfahrung machen, dass sie in der Lage sind, ihre Impulse selbst zu steuern. Genau das müsste das Ziel unserer Bemühungen um diese besonderen Kinder sein.“

Prof. Hüther verweist darauf, dass es trotz inzwischen schon jahrzehntelanger intensiver Forschungsanstrengung bis heute nicht gelungen sei, den vermuteten Dopaminmangel im Gehirn der betreffenden Patienten wirklich nachzuweisen. Auch der genetische Defekt, der diesem Defizit zugrunde liegen soll, konnte bisher nicht gefunden werden. Er hält den bisherigen Erklärungsansatz für einen Irrweg, beruhend auf falschen Vorstellungen des 20. Jahrhunderts.

Den ausführlichen Artikel von Prof. Hüther finden Sie in der Naturarzt-Ausgabe 5/2012. Darin auch ein Beitrag zu naturheilkundlichen Ansätzen und Optionen bei ADHS. Und ein Artikel über eine Therapie, die viel hilft, ohne viel Aufhebens zu machen und dabei bei den Grundsatzdebatten über Ritalin & Co oft zu kurz kommt: Ergotherapie. Sie verbessert die Handlungsfähigkeit der Kinder, die lernen, ihr Erregungsniveau überhaupt zu erkennen, zu benennen– und zu regulieren. Dadurch reduziert sich nicht nur der „Stress“, den ADHS für Patient und Umfeld bedeutet, offenbar wird sogar die Kernsymptomatik selbst positiv beeinflusst und der Bedarf an Medikamenten reduziert.



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