Mehr Nachhaltigkeit für Tablettenverpackungen!

Mehr Nachhaltigkeit für Tablettenverpackungen!

Liebe Leserin, lieber Leser,
liest man heutzutage Geschäftsberichte großer Konzerne, ist immer auch ein „Nachhaltigskeitsbericht” enthalten. Mir ist oft nicht klar, ob diese Berichte mit ihren verschwurbelten Formulierungen tatsächlich nachhaltigen Nutzen im Sinne des Umweltgedankens stiften. Im Falle von Pharmaherstellern frage ich mich schon lange: Warum müssen Tabletten, Kapseln und Dragees eigentlich in Blister eingepackt sein? Diese Kunststoff-Metall-Konstrukte enthalten unter anderem PVC und PET und natürlich Aluminium. Auf diese Weise fallen in Deutschland pro Jahr rund 8000 Tonnen Abfälle an.

Mit mehr Nachhaltigkeit soll es möglich sein, rund 3000 Tonnen einzusparen, z. B. indem man die Tabletten enger zusammenschweißt. Doch ich frage mich, warum überhaupt Blister? Warum nicht die Tabletten einzeln in der Dose herausgeben oder, wenn es eine Kurzzeittherapie ist, in der Papiertüte? So habe ich es einst als Kind bei den Großeltern gesehen …

Vor rund 20 Jahren benötigte ich in einem fernen Land zehn Kapseln eines bestimmten Medikaments. Diese lagen in einer großen Glaskugel mit Schraubdeckel, wie man sie aus früheren Zeiten als Bonbon-Gläser aus Tante-Emma-Läden kennt. Die Apothekerin nahm mit einer Kelle Kapseln heraus, zählte zehn ab und ließ sie in eine Papiertüte gleiten. Alles gut!

Bei uns gibt es das von mir verlangte, weltweit verbreitete Mittel auch, aber natürlich eingeschweißt in Blister. Als Gründe für die Verblisterung werden angegeben: „bessere Hygiene“, „mehr Sicherheit“ sowie „bessere Einnahmetreue“. Das mag ja alles zutreffen und sinnvoll sein bei sehr teuren und sehr exakt zu dosierenden Medikamenten gegen schwerwiegende Erkrankungen. Ob Blisterpackungen aber nötig sind bei den diversen Mitteln gegen Husten, Schmerzen, Bluthochdruck, zur Fettsenkung und den rezeptfreien Arzneien?

Eine „Entblisterung“ zahlreicher Arzneimittel hielte ich für einen echten Beitrag im Sinne von Nachhaltigkeit, denn er wäre ressourcensparend, müllvermeidend und preiswerter. Und für teure Präparate sollte es Kleinstpackungen geben, mit denen der Patient ausprobieren kann, ob er das Mittel überhaupt verträgt. Denn es werden in Deutschland laut „Apotheke adhoc“ pro Jahr ungenutzte Medikamente im Wert von schätzungsweise über fünf Milliarden Euro weggeworfen.

Und bei der Gelegenheit könnte man gleich auch die oft unsäglichen Beipackzettel sprachlich entrümpeln. Wenn es nach mir ginge, dürften diese zukünftig nur noch in „einfacher Sprache“ abgefasst werden.

Dr. med. Rainer Matejka