Bewusstsein

Das Leben ist keine Generalprobe

Dr. med. Wolf-Jürgen Maurer
Frau im Liegestuhl am Strand

Es ist schon seltsam: Wir leben oft so, als käme das Erhoffte, das Ersehnte später, vielleicht sogar viel später. Unsere Wirklichkeit ist dann das Warten auf das eigentliche Leben. Denn nur das Jetzt ist unsere Realität. Egal ob lustig oder traurig.

Oft verhalten wir uns so, als wären Geld oder andere materielle Dinge das Allerwichtigste. Dann scheinen wir Schicksalsschläge zu brauchen, die uns ermahnen und gleichzeitig ermutigen, das Dasein doch schon jetzt, heute, und nicht erst morgen ernst zu nehmen. Es zu schätzen ohne länger zu warten – auch nicht auf die Erlaubnis, sich unserem eigenen Leben zu widmen.

Den Augenblick feiern, Daseinsfülle festhalten, Bewusstheit steigern, sich selbst vergegenwärtigen, sich in die Gegenwart holen – dazu gehört: nicht drei Dinge gleichzeitig zu verrichten, sondern ganz bei dem zu sein, was man tut.

Wenn ich zum Beispiel esse, dann esse ich – aber spreche nicht, grübele nicht, höre keine Musik und checke keine Mails – dann führe ich kein Parallelleben. Damit ich am Ende meiner Tage nicht sagen muss: „Eigentlich hätte ich eine wunderschöne Zeit haben können – leider habe ich es zu spät gemerkt.“ Das Ziel ist aber, es rechtzeitig zu merken. Denn das Leben ist keine Generalprobe, sondern die Premiere. Es geht immer ums Ganze. Hier und jetzt.

„Willst du eine Stunde glücklich sein, mache ein Nickerchen.
Willst du einen Monat glücklich sein, heirate.
Willst du ein Jahr glücklich sein, erbe ein Vermögen.
Willst du jedoch ein Leben lang glücklich sein, hilf anderen“

… sagt ein asiatisches Sprichwort. Dieses verdeutlicht sehr gut die Quelle allen Glücks: Mitgefühl und Güte. Gut denken, gut sprechen, gut handeln. Bei sich beginnen, aber nicht bei sich enden. Sich erfassen, aber sich nicht ständig mit sich selbst befassen. Doch das leben viele Menschen im Westen zu wenig. Warum? Weil sie sich immer mehr von sich selbst und von ihren Mitmenschen entfernen.

Alles ist nur noch Wettbewerb. Das fängt schon in der Schule an. Wenn ein Kind einem andern hilft, heißt das Schummeln und wird bestraft. Insgesamt werden die falschen Potenziale gefördert. Zu sehr der Kopf, zu wenig das Herz. Mit fatalen Folgen: Die meisten Krankheiten haben heute ihre Ursache in Stress, Konkurrenz und Leistungsdruck. Innerhalb von 10 Jahren ist allein in den USA die Einnahme von Antidepressiva um 400 Prozent gestiegen.

Dabei ist das Gegenmittel rezeptfrei und sehr, sehr wirksam. Hören Sie mehr auf Ihr Herz! Es spricht zu uns über das, was wirklich wichtig ist –Liebe, statt Angst und Valium. Gesundheit bedeutet das Loslassen von Angst sowie Seelenfrieden. Und das ist immer und überall möglich und gleich hier und jetzt umsetzbar:
● Erwache aus Deinem Albtraum, mach Dein Herz weit auf.
● Hör auf Dein Herz, nicht auf deinen Kopf.
● Verbinde Dich mit allem Schönen und mit Deinen Mitmenschen.
● Vergib Dir und anderen.
● Entscheide dich für Frieden.
● Lass die Freude in Dein Herz.
● Sei dankbar für das Gute im Leben – das macht glücklich.
● Steh auf von den „Toten“ … beginne zu leben – jetzt!

Foto: Lev Kropotov/Shutterstock

Den Artikel zu dieser redaktionellen Einleitung finden Sie in der Naturarzt-Druckausgabe 8/2017

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