Vorsicht Hyperinsulinismus!

Vorsicht Hyperinsulinismus!

Liebe Leserin, lieber Leser,
bei Hyperinsulinismus geht es um eine Stoffwechselsituation, die eng mit Fettleber, Übergewicht, Bluthochdruck und weiteren Risikofaktoren wie Diabetes Typ 2 vergesellschaftet ist. Bereits einige Zeit vor einem manifesten Diabetes Typ 2 kann der Insulinspiegel im Körper zu hoch sein. Das bedeutet, der Körper braucht in bestimmten Situationen vermehrt Insulin, um den Zuckerstoffwechsel noch irgendwie in der Norm zu halten, indem er den Abstrom des Blutzuckers in die Muskulatur ermöglicht.

Ab einem bestimmten Punkt wirkt dieses Insulin aber nicht mehr richtig: Es kommt zur Insulinresistenz. Genau das ist die typische Situation beim Diabetes Typ 2. Früher dachte man, diesen Patienten fehle Insulin und verordnete Medikamente, die die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse antreiben sollten – sogenannte Sulfonylharnstoffe. Heute weiß man, dass bei einem Diabetes Typ 2 meist sogar zu viel Insulin vorhanden ist. Es wirkt nur nicht mehr richtig. Eine diabetische Stoffwechsellage kann unbehandelt längerfristig zu zahlreichen Organschädigungen, insbesondere im Herzbereich und der Niere, führen. Die entscheidenden Gegenmaßnahmen sind Ernährungsumstellung, Gewichtsnormalisierung und regelmäßige Bewegung.

Insulin hat aber auch noch andere Wirkungen: Es wirkt wie ein anaboles Hormon, die Körpermasse und insbesondere das Fettgewebe nehmen zu. Deswegen wird/wurde es verbotenerweise auch als Dopingmittel im Leistungssport und in der Tiermast eingesetzt. Zudem wirkt es wie eine Art Wachstumshormon und regt damit beim Erwachsenen möglicherweise sogar Krebszellen an.

Immer wenn reichlich isolierte Kohlenhydrate, also insbesondere Süßigkeiten und etliche Teigwaren verzehrt werden, kommt es zu einem raschen Anstieg des Blutzuckerspiegels, was jedesmal eine Freisetzung von Insulin zur Folge hat. Wer immer wieder auch zwischen den Mahlzeiten Snacks zu sich nimmt, bewirkt somit fast durchgehend eine erhöhte Insulinaktivität. Genau das sollte man vermeiden! Deswegen sollten entsprechende Pausen zwischen den Mahlzeiten bestehen und nicht ständig zwischendurch gegessen werden.

Neben den verschiedenen Zuckerarten haben auch stärkehaltige Lebensmittel wie Brot (auch Vollkornbrot), Nudeln, Reis und Kartoffeln eine recht hohe „glykämische Last“. Sie lösen nicht nur vermehrte Insulinaktivität aus, sondern regen zudem die Neubildung von Fetten an. Wegen der schlechteren Kohlenhydrattoleranz am Abend treten diese ungünstigen Effekte offenbar vor allem bei üppiger Abendmahlzeit verstärkt auf. Ein Abendessen nach „Low-carb“-Maßstäben dürfte daher vor allem für Menschen mit metabolischem Syndrom vorteilhaft sein.

Dr. med. Rainer Matejka