Wenn man Johanniskrautblüten zwischen den Fingern zerreibt, werden die Hände rot. Blutrot. Hypericin, das charakteristische Anthrachinon der Pflanze, oxidiert durch Licht und Sauerstoff. Die Chemie ist bekannt. Was sie bedeutet, ist eine andere Frage. Sie bringt Licht in die Schatten der Seele – und macht uns dabei empfindlich für das Tageslicht. Ein Paradox, das sie mit allem teilt, was wirklich heilt. Auf dem Höhepunkt ihrer Wirkstoffdichte, am längsten Tag des Jahres, erntet man sie. Nicht früher. Nicht später. Denn Vollkommenheit zeigt sich nur an der Schwelle zur Vergänglichkeit.
Seelenschau: Sommersonnenwende
Das Blut der Sonne
Mika Schöberl, Heilpraktiker