Was löst eigentlich Demenz aus?

Was löst eigentlich Demenz aus?

Liebe Leserin, lieber Leser,
Eiweißablagerungen im Gehirn, neurodegenerative Prozesse und vaskuläre, also gefäßbedingte Ursachen werden in der Fachliteratur als maßgebliche Faktoren für eine Demenz aufgeführt. Letztere stehen im Zusammenhang mit Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen. Für erstere Faktoren erscheint die Ursachenforschung noch etwas dürftig. Neben genetischen Einflüssen wird ein Ungleichgewicht zwischen Eiweiß auf- und abbauenden Faktoren im Gehirn vermutet. Natürlich entstehen sofort weitere Nachfragen, woher denn dieses Ungleichgewicht komme. Möglicherweise entstehen derartige Eiweiße wie das Beta-Amyloid nicht nur im Gehirn, sondern auch in der Leber. Eventuell spielt auch ein etwas saurerer pH-Wert im Gewebe eine Rolle. Vermutlich stellt daher Ernährung einen wichtigen Faktor dar, unter anderem eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Omega-3-Fettsäuren und Mineralstoffen wie Eisen. Erfahrungen zeigen zudem Hinweise, dass das Gehirn bei einer Demenz Probleme hat, Energie aus Kohlenhydraten zu verarbeiten, aber mit Ketonkörpern, die bei der Fettsäureverbrennung entstehen, besser zurechtkommt. Diesbezüglich gibt es bemerkenswerte Berichte über Effekte einer „Ketokost“, bei der Kohlenhydrate in der Ernährung drastisch reduziert und die Fettzufuhr erhöht wird.

Doch die Liste weiterer Faktoren, die Demenz begünstigen können und die sich beeinflussen lassen, ist inzwischen erstaunlich lang: zum Beispiel Schwindel, Gehörstörungen und Schlaf-Apnoe. Diese Dinge sollten konsequent und frühzeitig behandelt werden. Gleiches gilt für eine bestehende Herzschwäche, denn die Herzleistung korreliert mit der Gehirndurchblutung. Medikamente begünstigen Demenz, zum Beispiel sogenannte Anticholinergika. Sie hemmen die Wirkung des wichtigen Überträgerstoffs Acetylcholin und befinden sich in Mitteln gegen Asthma, Blasenentleerungsstörungen, M. Parkinson.

Generell sind zudem Beruhigungsmittel und etliche Psychopharmaka kritisch zu bewerten und letztendlich auch eine „Polypharmazie“ (fünf und mehr chemische Arzneimittel) beim betagten Menschen. Wegen einer langsameren Umsetzungsrate sind Arzneien dann oft überdosiert und kumulieren. Dosisreduktionen bzw. Absetzen nicht dringlicher Präparate können dann sinnvoll sein. Bei älteren Menschen sollte auch ein Vitamin-B12-Mangel als wichtiger Faktor beachtet werden, weil dieses Vitamin im Alter oft nicht mehr ausreichend aufgenommen werden kann. Schließlich werden auch noch Alkohol- und Drogenmissbrauch, häufiger Stress, soziale Isolation, Schilddrüsenfunktionsstörungen und geringes Bildungsniveau in der Jugend (!) als Risikofaktoren beschrieben.

Ich finde, Vorstehendes zeigt doch eine ganze Menge von Stellschrauben, die man bearbeiten bzw. optimieren kann. Auch wenn es noch kein überzeugendes Mittel gegen Demenz gibt, sehe ich darin ein bemerkenswertes Hoffnungszeichen.

Dr. med. Rainer Matejka