Keine Pillen gegen das Vergessen

Keine Pillen gegen das Vergessen

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Liebe Leserin, lieber Leser,

im Deutschen Ärzteblatt vom 2. Februar diesen Jahres findet sich ein erstaunlicher Artikel. Darin geht es um das reihenweise Versagen von Anti-Alzheimer-Medikamenten.

Kein Forschungszweig stagniere so stark wie die Wissenschaft, die sich der Suche nach Mitteln gegen Alzheimer widmet, heißt es dort. Dies führt dazu, dass sich eine der größten Pharmafirmen der Welt nach Jahrzehnten der Alzheimer-Forschung aus diesem Metier ganz zurückzieht und dies, wie die Autoren schrei-ben, obwohl ein erfolgreiches Präparat im Kampf gegen Alzheimer Milliardenumsätze bedeuten würde.

Heute gelten 50 Millionen Menschen auf der Welt als dement. Inzwischen aber scheint der Glaube an einen möglichen Fortschritt in der Behandlung irgendwie gänzlich abhandengekommen zu sein.

Obwohl in den Medien stets aufs Neue euphorische Meldungen lanciert werden, nach denen angeblich erfolgversprechende Therapien nicht mehr lange auf sich warten ließen, ja quasi bereits vor der Tür stünden, müssen Ärzte diese teils überschwänglich „frohen Botschaften“ immer wieder dämpfen. Ein Experte räumt ein: „Wir Demenzforscher sind in jeder Hinsicht bescheidener geworden.“

Vor allem die Behandlungsansätze zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit waren bislang enttäuschend. Auch Versuche mit modernen Antikörpertherapien haben versagt. Ein anderer Forscher erklärt allerdings, das eigentliche Problem bestehe in einem oft viel zu späten Therapiebeginn. Würde man beispielsweise bei genetisch belasteten Familien viel früher eine Behandlung mit speziellen Antikörpern beginnen, könnte die Demenzsymptomatik zumindest um Jahre hinausgezögert werden.

Auch die schulmedizinischen Experten entdecken angesichts der ernüchternden Therapieversuche den Wert der Vorbeugung. Dabei spielt die Mittelmeerernährung in Kombination mit „mehr Bewegung” eine ganz große Rolle. Also immer die gleichen Klassiker aus dem Urfundus der Medizin und von der Basis der Naturheilkunde. Auch die Minimierung von Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und erhöhtem Homocysteinspiegel – man höre und staune – soll wesentlich für die Vorbeugung sein. Omega-3-Fette werden speziell empfohlen. Wir haben es also mit den gleichen Risikofaktoren wie für Herzerkrankungen und Schlaganfall zu tun und daher auch mit ähnlichen Empfehlungen für die Prävention. Letztendlich finden sich auch bei Alzheimer-Patienten Eiweißablagerungen, sogenannte Plaques, und zwar im Gehirn. Diese typischen Veränderungen hatte der Neurologe und Psychiater Alois Alzheimer (1864 – 1915) am Gehirn einer seiner verstorbenen Patientinnen zum ersten Mal festgestellt und schließlich 1906 diese „eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ beschrieben, die nach ihm benannt werden sollte.

Zum Schluss aber doch noch eine positive Meldung: Dass die Alzheimerrate ständig zunimmt, bezweifeln einige der führenden Forscher. Ein bekannter Neurologe und Psychiater erklärt, die scheinbare Alzheimerzunahme läge daran, dass die Schwellen zur Stellung der Diagnose immer weiter herabgesetzt würden. Wer heute seinen Schlüssel vergesse, werde gleich als Alzheimer-Patient eingestuft …

Mit realistischen Grüßen

Dr. med. Rainer Matejka