Aus der ärztlichen Praxis

Allergie – auf den Körper hören statt Symptome zu unterdrücken

Dr. med. Karl-Heinz Friese, Hals-Nasen-Ohrenarzt
Riedgräser

Mitte Juli kam der 50-jährige Michael D. (Name geändert) mit starkem Heuschnupfen in die Praxis. Er war etwas übergewichtig und dem Alkohol nicht ganz abgeneigt. Da er schnell wieder gesund werden wollte, wünschte er ausdrücklich starke Medikamente. Ihn plagte eine Allergie gegen Frühblüher sowie Gräser und Getreide. Eigentlich hätte die akute Phase Ende Juni vorbei sein müssen, Herr D. hatte aber noch Mitte Juli starke Beschwerden. Da sie ihn sehr störten, nahm er massenhaft Medikamente ein: abschwellende Nasentropfen, verschiedene Antihistaminika und Kortison in geringer Dosierung. In seiner Freizeit hielt er sich im Keller auf, da dort die allergische Belastung niedriger war. Auf keinen Fall zog es ihn ins Freie.

Zu viele Medikamente sind eine Belastung für den Körper

Herr D. wurde völlig überbehandelt. Die regelmäßige Einnahme von Antiallergika führt oft dazu, dass Symptome wesentlich länger anhalten als die eigentliche Blütezeit. Der Körper wehrt sich gegen die Unterdrückung durch solche Medikamente. Kortison bringt außerdem die Darmflora durcheinander. Alle Mittel wurden nacheinander abgesetzt. Abschwellende Nasentropfen sollten ohnehin nicht langfristig verwendet werden, weil eine Gewöhnung eintritt. Sogar schulmedizinisch ist die Einnahme nur eine Woche erlaubt, was oft missachtet wird. Das Weglassen der Nasentropfen führte allerdings dazu, dass Herr D. für zwei Wochen kaum noch Luft bekam. Danach besserte sich dieser Zustand wieder. Im Anschluss wurden die Antihistaminika in Angriff genommen. Bei deren Absetzen verschlimmerten sich die Symptome nur für ein paar Tage und normalisierten sich dann wieder. Um sein Wohlbefinden zu steigern, wurde Herr D. ermuntert, wieder im Freien spazieren zu gehen, da dort keine objektive Pollenbelas-tung mehr bestand.

Foto: Leonid Ikan/Fotolia


Naturheilkundlicher Rat

Ohrenschmerzen

Peter Emmrich, Facharzt für Allgemeinmedizin

Immer wieder leide ich unter Ohrenschmerzen. Aktuell kann mein HNO-Arzt außer Narben am Trommelfell, die sich wohl mit lange zurückliegenden Ohrentzündungen erklären lassen, nichts finden. Er vermutet einen Zusammenhang mit vereiterten Nasennebenhöhlen. In der Tat leide ich immer wieder unter heftigen eitrigen Entzündungen, die bisher mit Antibiotika behandelt wurden. Nun hat mir der Arzt auch gegen meine Ohrenschmerzen ein Antibiotikum empfohlen. Dies widerstrebt mir, und ich möchte Sie um die Prüfung einer naturheilkundlichen Alternative bitten. Als 46-jährige Musikerin möchte ich mit meinem Gehör pfleglich umgehen.

Diese Problematik kenne ich aus meiner Allgemeinarztpraxis zu gut. Die akute Schmerzsituation soll rasch abklingen und obgleich nur Viren als Auslöser für den entzündlichen Prozess auszumachen sind, bekommen viele Patienten ein Antibiotikum verordnet. Antibiotika können nur Bakterien in ihrer Ausbreitung hemmen. Gegen Viren sind sie machtlos. Da Ihr HNO-Arzt „nichts gefunden hat“, ist eine erneute Antibiotikum-Gabe auch aus meiner Sicht zu hinterfragen.

Unser modernes westliches Denken wird oftmals eingeschränkt durch das, was uns Ärzten in der Ausbildung mit auf den Weg gegeben wird. Aber unsere alten Ärzte, beispielsweise Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.) von der griechischen Insel Kos, pflegten zu sagen, der Tod säße im Darm. Hippokrates propagierte bei seinen Vorlesungen, man möge auf einen gesunden Darm achten. In der traditionellen chinesischen Medizin wird besonders dem Akupunkturpunkt Dickdarm 4 eine große immunstärkende, schmerzlindernde und hormonell regulierende Eigenschaft zugeschrieben. Dieser Punkt – zwischen Daumen und Zeigefinger auf dem Muskelbauch – findet auch in der Akupressur bei akuten Beschwerden von chronischen Leiden Beachtung. Es ist empfehlenswert ihn mehrfach am Tag zu massieren, um die Darmtätigkeit anzuregen. Ich kenne kaum einen Menschen, der chronisch krank ist und bei dem dieser Punkt nicht druckschmerzhaft ist. Auch Ihnen möchte ich eine regelmäßige Druckmassage dieses Punktes an beiden Händen empfehlen.


Aus der ärztlichen Praxis

Homöopathie verhalf Baby Tim zum Leben

Dipl.-Biol. Peter Emmrich
Babyfüße in Handherz

Die Erfahrung zeigt, dass bei wiederholten Fehlgeburten ein Behandlungsversuch mit homöopathischen Mitteln gegenüber schulmedizinischen Therapien durchaus lohnen kann. Bei der Homöopathie handelt es sich eher um eine ursächliche oder konstitutionelle Methode, die den Körper der angehenden Mutter in die Lage versetzen soll, die Herausforderungen einer Schwangerschaft selbst zu bewältigen. Schädliche Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Auf Wehenhemmer, also schulmedizinische Substanzen, die einer vorzeitigen Entbindung entgegenwirken, kann bei drohender Frühgeburt in höheren Monaten nicht immer verzichtet werden, aber durch gezielte Gaben homöopathischer Mittel können starke Dosen dieser Medikamente oft reduziert und schneller wieder ausgeschlichen werden.

Ständige Fehlgeburten belasten die Psyche

Henriette O. (Name geändert) war eine 26-jährige, verheiratete Biologin und erforschte an einer Universität pflanzliche Hormone bei Algen. Sie war sehr engagiert und wollte ihre Doktorarbeit bald zu Ende bringen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren erlitt sie schon drei Fehlgeburten, immer im zweiten oder dritten Schwangerschaftsmonat. Die letzte lag nun sechs Wochen zurück, und sie machte bei der Erstkonsultation einen ziemlich niedergeschlagenen Eindruck.

Mir fiel an der jungen, schlanken Frau eine teigige Schwellung an beiden oberen inneren Augenlidern auf. Sie berichtete, nach geringsten Anstrengungen Schweißausbrüche zu haben und unter stechenden Schmerzen am unteren Rücken zu leiden, die gerade vor den Abgängen besonders heftig waren. Sie erzählte, dass sie dann das Bedürfnis habe, sich irgendwo anzulehnen, weil die Schmerzen dadurch erträglicher würden. Generell neigte sie zu Verstopfung und liebte Wärme. Nachts zwischen zwei und vier Uhr verschlimmere sich alles. Rückblickend lagen in dieser Zeitspanne auch alle Fehlgeburten.

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Naturheilkundlicher Rat

Risse in den Fingernägeln

Dr. med. Ella Neumann

Seit einiger Zeit kämpfe ich mit Rissen in den Fingernägeln. Nahrungsergänzungsmittel und Baden der Nägel in Olivenöl haben nicht geholfen. Ein Speziallack machte alles nur noch schlimmer. Vielleicht fehlen mir als langjähriger Vegetarierin im Alter von 50 Jahren Vitamine oder bestimmte Nährstoffe. Meine Hausärztin hat abgewunken, selbst meine Eisenwerte seien im Normbereich. Haben Sie noch einen Rat für mein Nagelproblem?

Bei starker Beanspruchung kann der Nagel einreißen und sich entzünden. Die eigentlichen Ursachen liegen jedoch meist in ernährungsbedingten Mangelerscheinungen sowie falschen Pflegemaßnahmen.

Unsere Nägel bestehen aus Keratin, das Vitamine, Mineralien, Wasser und Fett braucht, um hart und widerstandsfähig zu sein. Wichtig dafür ist eine gute Durchblutung der Fingerkuppen. Diese können Sie unterstützen, indem Sie abends die Finger von der Mitte bis zur Kuppe mit Kupfer Salbe rot von Wala eincremen (hilft auch bei ständig kalten Händen). Über Nacht einen Baumwollhandschuh drüberziehen – und diesen niemals waschen, auch wenn er sich verfärbt. Die Cremereste im Handschuh verstärken die Wirkung.

Feuchtigkeitsspendende Handlotionen – also Lotionen die viel Wasser enthalten – trocknen die Nägel in der Regel aus, nur durch Trinken spenden Sie ihrem Körper Feuchtigkeit. Ich empfehle täglich drei Liter, solange keine Gründe dagegensprechen.


Was mir geholfen hat

Schmalzwickel bei hartnäckigem Husten

Einmachglas, Zwiebeln

Die Erkältung von Dora Maas (Name geändert) fing mit trockenem Husten an, auf den schnell eine Verschleimung folgte. Tiefes Einatmen provozierte Hustenreiz. Der Arzt empfahl Erkältungspräparate mit Salbei, Thymian, Efeu und Inhalationen. Nach sechs Wochen vergeblicher Mühe kamen hilfreiche Tipps: Schmalzwickel, Zwiebel-Honig und Pelargonien-Extrakt.

Es begann mit Schmerzen im Hals und einem trockenen Husten in der Nacht. Schnell setzte ein Krankheitsgefühl ein. Hals und Nase verschleimten. Mit Lindenblütentee, heißer Zitrone und Honig, generell viel Trinken sowie Orangen, einem Wollschal, Mütze und Wollsocken bemühte ich mich um Linderung. Gegen die trockene Heizungsluft – es war Anfang Februar – öffnete ich täglich mehrmals die Fenster und sorgte für Stoßlüftung. Nachts stellte ich zur Luftbefeuchtung einen Wäscheständer mit nassen Handtüchern in mein Schlafzimmer. Trotzdem verstärkten sich die Beschwerden und „rutschten“ vom Hals hinunter in die Bronchien. Jeder tiefere Atemzug wurde von einem Hustenreiz gebremst. Telefonieren ohne Hustenanfall war nicht möglich.

Heilversuche mit Salbei, Thymian, Efeu

Der Hausarzt hörte meine Lunge ab – nichts Beunruhigendes – und verschrieb Husten- und Erkältungspräparate mit Salbei, Thymian und Efeu. Dazu empfahl er mir, mehrmals täglich zu inhalieren. Es tat gut, doch mein hartnäckiger Husten blieb. Wir wechselten die Präparate, ich nahm immunstärkenden Sonnenhut (Echinacea) dazu und lutschte diverse Hustenpastillen, auch mit Isländisch Moos. Täglich um die Mittagszeit ging ich warm eingepackt an die frische Luft, um meine Immunkräfte zu stärken. Eine Physiotherapeutin zeigte mir Dehnübungen für den Brustkorb, welche Bronchien und Lunge etwas weiten und entspannen können – ohne spürbaren Erfolg. Nach sechs Wochen Therapieresistenz drängte mein Hausarzt auf eine Röntgenaufnahme der Lunge sowie eine Lungenfunktionsprüfung. Diese Untersuchungen blieben ohne Befund, auch der Allergie-Test auf diverse Stoffe und Lebensmittel. Einzig auf Äpfel und Haselnüsse zeigte sich eine leichte Hautreaktion.

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Was mir geholfen hat

Suizidale Krise – offene Gespräche und Medikamente

Psychotherap. Patientengespräch

Krisen gehören zum Leben, zu unserer Entwicklung. Erlebt man sie aber so ausweglos, dass man am eigenen Dasein zweifelt und denkt „wie wäre es, wenn ich nicht mehr da wäre?“, ist schnelle professionelle Hilfe wichtig. Marion Jettenberger, selbst erfahrene Therapeutin, hätte nie für möglich gehalten, dass auch sie einmal ein solches Daseins-Tief erfasst.

Meine Depression schien nach neun Monaten überwunden, und ich konnte das Antidepressivum ausschleichen. Da klingelte das Telefon: „Unser Kollege hat sich umgebracht!“ Was für ein Schock! So ein wunderbarer Mensch, mitfühlend, offen und immer lösungsorientiert. Auch für mich war er da gewesen und hatte mich während meiner Depression unterstützt. Nun war er tot – bevor ich mich richtig bei ihm bedanken konnte.

Die Nachricht wühlte mich auf und beschäftigte mich Tag und Nacht. Mit dem Kollegen ist ein Stück Empathie von dieser Welt gegangen. Solche Menschen haben es schwer in einer Umgebung voller Missgunst. Nun hatte er seinen Frieden, und ich konnte ihn irgendwie verstehen. Diese Gedanken ließen sich nicht mehr abschalten.

Niederschreiben der Gedanken entlastete

Plötzlich kam ein schriller Gedanke hinzu: „Ich nehme mir mein Leben“. Ich hielt dagegen, denn ich mag mein Leben, auch wenn es mir mal schlecht geht. Schließlich war ich eine junge Frau mit 33 Jahren und viel Pepp! Doch der Gedanke schien sich im Gehirn einzubrennen. Ich musste darüber reden. Mein Lebenspartner war schockiert und irritiert, genau wie mein Vater. „Marion, Du musst dringend in Behandlung!“ Ich fand das überzogen und beschloss, mit niemandem mehr darüber zu reden. Wenn es mir schlechter gehen sollte, wollte ich mich an eine Kollegin wenden oder in eine psychiatrische Klinik gehen. Die Gedanken kamen weiterhin – ganz ohne Angstgefühle. Ich beschloss, sie niederzuschreiben. Wenn Gedanken ausgesprochen sind, haben sie weniger Macht über uns. Werden sie jedoch immerzu unterdrückt, braucht dies enorme Kraft und Energie. Leider unterliegen Krankheiten der Seele in unserer Leistungsgesellschaft einem Tabu. Das belastet zusätzlich.

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Naturkeilkundlicher Rat

Haarausfall nach den Wechseljahren

Antwort von: Anita Kraut, Heilpraktikerin

Mein Kopfhaar wird im vorderen Stirnbereich seit einigen Jahren immer dünner, und der Haarausfall verstärkt sich, seit ich auf die siebzig zugehe. Der Hautarzt diagnostizierte einen erblich bedingten Haarausfall. In Eigeninitiative gab ich eine Blutuntersuchung in Auftrag, die unter anderem einen erniedrigten Wert von Dihydrotestosteron erbrachte. Meine Hausärztin hat diesen Blutwert zwar als unbedeutend abgetan, doch ich frage mich, ob dieser Wert nicht doch in Zusammenhang mit meinem Haarausfall stehen kann?

Dihydrotestosteron ist ein reines Androgen, ein männliches Hormon. Wäre dieser Wert bei Ihnen zu hoch, könnte er am Haarausfall beteiligt sein. Da der Wert aber zu niedrig ist, hat ihre Hausärztin recht: Er ist in Ihrem Fall ohne Belang.

Nach den Wechseljahren werden aufgrund der sinkenden Östrogene (weibliche Hormone) die Haare dünner oder fallen vermehrt aus. Sie können diesen Prozess ein wenig verlangsamen, indem Sie natürliche Phytoöstrogene zu sich nehmen. Dies sind beispielsweise Produkte mit Granatapfelkernöl (delima-Kapseln) oder mit Gelee-Royal.

Haarausfall kann aber auch durch physikalische und chemische Einflüsse begünstigt werden: aggressives Shampoo, giftiges Haargel, chemische Dauerwelle, künstliche Haarfarbe, heißer Wind vom Haarfön oder klebriges Haarspray. Erfahrungsgemäß bessert sich der Haarausfall wesentlich, wenn schonendere Haarpflegemittel verwendet werden. Waschaktive Substanzen wie Natriumlaurylsulfat (Sodium lauryl sulfate) und ähnliche chemische Verbindungen in herkömmlichen Shampoos belasten die Kopfhaut und sollten daher gemieden werden. Seifen-Shampoos, Haarwaschseifen, Shampoos auf Waschnussbasis sowie Mineralerden sind besser verträglich. Anfangs sind diese Produkte gewöhnungsbedürftig, da sie wenig, oder wie Mineralerde, gar nicht schäumen. Sofern Sie Ihre Haare färben, rate ich Ihnen, auf natürliche Färbemittel umzusteigen (beispielsweise Logona, Santé) oder die Farbe ganz wegzulassen, ebenso die Dauerwelle. Wenn sich der Haarausfall nach der Umstellung der Haarpflegeprodukte innerhalb einiger Wochen bessert, können Sie davon ausgehen, dass die falschen Haarpflegeprodukte der Auslöser waren.


Aus der ärztlichen Praxis

Fettverteilung durch Lymphdrainage reguliert

Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Brenke
Yoga-Übung, vier Frauen

Bei Störungen in der Verteilung des Fettgewebes denkt man meist nicht sofort an ein Problem der Leber. Die folgende Geschichte zeigt jedoch den typischen Verlauf eines solchen Krankheitsbildes, das unter verschiedenen Namen bekannt ist, meist jedoch mit dem Namen des Erstbeschreibers – dem deutschen Chirurgen Otto Wilhelm Madelung (1846 – 1926) – in Verbindung gebracht wird: dem „Madelung-Syndrom“.

Alkoholschaden hat langfristige Folgen

In die naturheilkundliche Abteilung unserer Klinik kam die 43-jährige Sabine W. (Name von der Redaktion geändert), um Schwellungen an Oberarm und Oberkörper entstauen zu lassen. Seit zwei Jahren beobachtete sie, dass sich das Fettgewebe in diesem Bereich vermehrte. Zu Beginn der Entwicklung war eine Leberzirrhose wegen Alkoholmissbrauchs festgestellt worden. Frau W. hatte zuvor über viele Jahre Alkohol in größeren Mengen getrunken, zeitweise bis zu einer Flasche Branntwein am Tag. Vom Zeitpunkt der Diagnose an war sie aber auf eigenen Antrieb und ohne professionelle Hilfe abstinent geblieben. Die übrige Vorgeschichte war unauffällig. In vielen, jedoch nicht allen Fällen des Madelung-Syndroms besteht ein eindeutiger Zusammenhang zu einer alkoholischen Leberschädigung, wobei die ursächlichen Beziehungen im Einzelnen nicht geklärt sind. Erwiesen ist, dass die wichtigste therapeutische Maßnahme die Abstinenz ist, sofern ein Alkoholmissbrauch vorliegt.

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Was mir geholfen hat

Nach Herzinfarkt neuer bewegter Lebensstil

Wanderndes Paar

Obwohl sich Erwin Aichinger gesundheitsbewusst und vegetarisch mit Bio-Produkten der Region ernährte, ereilte ihn ein Herzinfarkt. Die Anzeichen erahnte er früh. Ohne Verzögerung bekam er in der Klinik einen Stent. In der Reha wurde ihm sein jahrelanges Bewegungsdefizit bewusst und er änderte seinen Lebensstil.

Im Februar 2014 freute ich mich auf ein ruhiges Wochenende, denn ich hatte ein großes Projekt abgeschlossen. Doch die Nacht auf Samstag verlief alles andere als ruhig. Ein dumpfer Druck im Bereich der Schulterblätter ließ mich keinen Schlaf finden. Durch Gymnastik versuchte ich diese vermeintliche Verspannung loszuwerden, ohne Erfolg.

Herzinfarkt-Zeichen zur rechten Zeit erahnt

Am Morgen erschien ich gerädert zum Frühstück, und meine Frau riet mir, ein Schmerzmittel einzunehmen. Kaum hatte ich die Tablette geschluckt, kam mir der Gedanke, dass ich dadurch vielleicht ein wichtiges Signal meines Körpers unterdrücke und bestand darauf, sofort ins nahe Krankenhaus zu fahren. Die Ambulanzschwester wollte mich in die Orthopädie-Abteilung schicken. Ich weigerte mich und verwies auf den selbst gemessenen Blutdruck von 200/120 mm Hg. Eine nochmalige Messung und ein EKG bestätigten meine insgeheime Befürchtung: Herzinfarkt!

Der herbeigeeilte Oberarzt sagte: „Sie haben Glück, ich bin da, der OP-Saal ist frei – Sie werden gleich versorgt!“ Er suchte den bestmöglichen Zugang zu meinem Herzen, um in der Vorderwandarterie einen Stent zu setzen. Als ich auf der Intensivstation erwachte, war kaum eine halbe Stunde vergangen und ich fühlte mich, als wäre nie etwas geschehen. Auch die panische Angst war verflogen. Ich versuchte nachzuvollziehen, wie es zu dem Infarkt gekommen war, und überlegte, wie ich einen weiteren verhindern könnte.

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Naturheilkundlicher Rat

Lästiges Erröten bei Couperose

Antwort von: Anita Kraut, Heilpraktikerin

Vor allem wenn ich (25 Jahre, weibl.) im Mittelpunkt stehe, aber auch bei Hitze und beim Sport glühen meine Wangen und die Haut rund um die Nase. Auch meine Mutter hat bläulich-rot schimmernde Äderchen im Gesicht. Der Hautarzt meinte, es handelt sich um eine Couperose, die er häufig schon erfolgreich mit Laserlicht behandeln konnte. Hat diese Behandlung Nebenwirkungen und gibt es Alternativen?

Tatsächlich ist die Couperose anlagebedingt und die Neigung zum Erröten vererbbar. Es kommt dabei zu Stauungen in den Arterien, wodurch diese sich erweitern und sichtbar werden. Sie färben das Gesicht rot. Es gibt auch Stauungen in den Gesichtsvenen, was sich in einer bläulichen Verfärbung zeigt – wie bei Ihrer Mutter.

Gerne wird Couperose mit Rosacea in Verbindung gebracht. Für mich ist die Couperose ein eigenständiges Krankheitsbild. Sie führt auch nicht grundsätzlich zu der schwerwiegenderen Rosacea mit Knötchen und Entzündungen in den Gefäßen.

Die Neigung zum Erröten verstärkt sich durch alles, was die Durchblutung im Gesicht anheizt wie etwa Alkohol, Kaffee, Schwarztee, scharfe Gewürze Sauna und Hitze. Dies alles sollten Sie möglichst meiden. Problematisch sind auch Sonnenbäder, wobei Sie auf eine geeignete Sonnenschutzcreme achten sollten. Gut verträglich ist mineralischer Sonnenschutz (z. B. Lavera Sonnenmilch LF 20). Solche Cremes enthalten weiße Farbpigmente (meist Titandioxid und Zinkoxid), die das Sonnenlicht reflektieren und beim Auftragen sofort wirksam sind. Mineralische Sonnenmilch ist kaum allergen und chemisch stabil. Achten Sie aber darauf, dass keine Nanopartikel und kein Mikroplastik enthalten sind, weil diese sich auf Gesundheit und Umwelt auswirken können.

Sonnenschutzcremes mit chemischen UV-Filtern ermöglichen zwar einen höheren Lichtschutzfaktor, wirken aber erst eine halbe Stunde nach dem Auftragen. Sie haben ein höheres Allergiepotenzial und enthalten sogenannte Prohaptene, welche die Haut reizen können. Chemische UV-Filter zersetzen sich übrigens nach 3 – 6 Monaten, weshalb jede Saison ein neues Sonnenschutzprodukt erfordert. Tipp: ein Sonnenhut hat keine Nebenwirkungen und sieht hübsch aus!


Aus der ärztlichen Praxis

Winzige Darmbewohner verhinderten Rückenschmerz

Dipl.-Biol. Peter Emmrich
Schale Sauerkraut

Der 44-jährige Hans P. (Name geändert) litt seit über zehn Jahren an chronischen Rückenschmerzen. Immer wieder musste er zum Chiropraktiker. In den letzten sechs Monaten so häufig, dass er überlegte, ob vielleicht ein Tumor im Spiel sei. Bei einem Freund hatte man ein Prostatakarzinom mit Metastasen im Bereich der Lendenwirbelsäule gefunden. Das verunsicherte Hans. Sein Freund hatte ebenfalls über Rückenschmerzen geklagt. Informationen aus dem Internet schürten die Angst zusätzlich. Mit diesen Zweifeln kam er aufgelöst in die Sprechstunde.

Laborwerte dauerhaft leicht verändert

Hans hatte massive muskuläre Verspannungen in der Hals- und in der Lendenwirbelsäulen-Region sowie einen extrem geblähten Bauch. Die Zunge war dick gelb-weiß belegt, und man konnte starken Mundgeruch wahrnehmen. Die Blutuntersuchung ergab keine nennenswerten Entzündungszeichen, auch der PSA-Wert lag völlig in der Norm. Eine etwa vor einem halben Jahr durchgeführte Röntgenaufnahme von Lendenwirbelsäule und Becken war ebenso unauffällig. Die Stuhluntersuchung allerdings brachte eine mögliche Ursache der Schmerzen zutage: Der Entzündungsmarker Calprotectin lag bei 88. Nicht wirklich spektakulär – bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gibt es leicht das Zehnfache – aber der Normwert von unter 50 mg/kg im Stuhl war eben doch überschritten. Die Säuerungsflora (Bakteroiden, Bifidobakterien und Laktobazillen) hingegen war deutlich verringert. Das führte zu einem Anstieg des pH-Wertes auf 7,5 (also zu basisch), was die Darmschleimhaut massiv beeinträchtigte und einen Fäulnisprozess nach sich zog. Dagegen hatte sich der Keim Escherichia coli in seiner Konzentration massiv erhöht.

Das mit der Nahrung aufgenommene Eiweiß fault dann im Darm vor sich hin. Diese Prozesse verursachen nicht nur einen geblähten Bauch durch die massive Gasentwicklung, sondern es entstehen auch belastende Substanzen, wie Ammoniak und Enterotoxine, die durch die aufgequollene Darmschleimhaut ins Blut übertreten können und dadurch die Leber in Mitleidenschaft ziehen. Mitunter sieht man dies an dauerhaft leicht erhöhten Leberwerten (γGT, GOT, GPT). Die Patienten leiden unter Völlegefühl, sind schlapp und müde. Die nicht entweichende Luft setzt Bauch und Rücken massiv unter Druck, was wiederkehrende Beschwerden verursacht.

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Was mir geholfen hat

Durch Krebs wurde der Körper zum Freund

Kerstin Chavent
Frau meditiert am Strand

„Was ist in mir aus dem Gleichgewicht geraten?“ fragte sich Kerstin Chavent bereits während der schulmedizinischen Brustkrebsbehandlung. Sie interpretierte den Tumor als einen Versuch ihres Körpers, auf seine Weise mit ihr zu kommunizieren und ging auf die Suche nach den möglichen Ursachen ihrer Erkrankung. Sie fand sie in dem Verhältnis zu sich selber, im Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen.

Im Sommer 2012 erhielt ich die Diagnose Brustkrebs – eine Woche vor meiner Hochzeit. Nun war auch ich betroffen – wie so viele andere. Zu groß sind die Schäden in unserer Umwelt, zu ungesund unsere Ernährung und Lebensweise. Mit einem Schlag wurde die Bedrohung auch meine Realität. Ohne großes Nachdenken begab ich mich in das Unausweichliche: Chemotherapie, Operation, Bestrahlung, Hormontherapie.

Aggressive Behandlungen sind der einzige Weg, den die konventionelle Medizin heute anbietet, ohne jedoch garantieren zu können, den Krebs damit zu heilen. Technisch wurde ich gut versorgt, doch in mir bohrte die Frage: Und dann? Wie geht es danach weiter? Wird mich die Angst vor dem Rückfall für den Rest meines Lebens begleiten? Ich begann zu recherchieren und holte mir Hilfe von Therapeuten, die Körper und Geist als Ganzes begreifen, unter anderem mit chinesischer Medizin und Osteo-pathie. Ich wollte verstehen, was in mir aus dem Gleichgewicht geraten war. Damit hatte ich den Anfang eines roten Fadens in der Hand und konnte beginnen, den Knoten in mir aufzulösen. Ich fühlte mich nicht mehr ohnmächtig den Behandlungen ausgesetzt, sondern konnte selber in Aktion treten. Von nun an basierte mein Heilungsprozess auf drei Säulen: Konventionelle Medizin, ganzheitlich arbeitende Therapien und mir selber.

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Naturheilkundlicher Rat

Stechende Kopfschmerzen

Antwort von: Dr. med. Rainer Matejka

Seit meinem 20. Lebensjahr leide ich unter chronischen Kopfschmerzen und Migräne, entsprechend viele Schmerzmittel habe ich eingenommen. Jetzt im Alter von 63 Jahren habe ich seit einigen Jahren häufig stechende Kopfschmerzen, die sich meist von der linken Stirnseite bis in den Nacken hinunter ziehen. Diese Schmerzen scheinen mit meinem Magen-Darm-Trakt in Verbindung zu stehen, denn bei leerem Darm sind die Schmerzen weg. Deshalb entleere ich den Darm öfters durch einen Einlauf oder Bittersalz. Regelmäßig nehme ich Lein-, Chia- oder Flohsamen mit reichlich Flüssigkeit. Wird der Stuhl dann sehr fest, nehme ich ausnahmsweise das Abführmittel Dulcolax. Die Kopfschmerzen lassen bereits ein bis zwei Stunden nach der Tabletteneinnahme spürbar nach. Doch wenn der Darm wieder gefüllt ist, beginnen diese unerträglichen Schmerzen erneut. Ich kann dann nicht mehr gut liegen und verbringe die Nacht im Sessel. In den letzten Monaten bekam ich unter anderem Infusionen zur Entsäuerung, begleitet von einer Darmsanierung. Meine Schmerzproblematik ist geblieben. Welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten können Sie mir vorschlagen?

Ihre Kopfschmerzen stehen offenbar mit der Darmfunktion in Beziehung. Da die Darmsanierung nicht geholfen hat, würde ich hier einen pragmatischen Weg wählen: Ein in Akupunktur erfahrener Therapeut sollte überprüfen, mit welchen Akupunkturmeridianen die Schmerzpunkte (eventuell) zusammenhängen. Nach Ihrer Beschreibung könnte dies der Blasenmeridian sein, der im Augenwinkel beginnt und sich dann leicht seitlich vom Scheitel hinten in den Nacken zieht. Denkbar wäre auch der Gallenblasenmeridian – ebenfalls links. Er hat in der Regel auch eine Beziehung zum Auge. Schließlich ist noch an den Magenmeridian zu denken.

Vielleicht gibt es auch Probleme mit den Nasennebenhöhlen, zum Beispiel eine chronische Sinusitis, die ebenfalls mit dem Darm in Wechselwirkung steht.

Ich empfehle einen Behandlungsversuch mit der Neuraltherapie nach Huneke durchzuführen. Dabei injiziert man ein örtliches Betäubungsmittel in die von Ihnen beobachteten Schmerzpunkte. Eventuell kämen auch noch sogenannte Fernpunkte auf dem entsprechenden Meridian in Frage. Die Neuraltherapie ist einfach und rasch durchgeführt. Man behandelt zunächst etwa zweimal wöchentlich über die Dauer von einigen Wochen. Oft kann die Wirkung durch Zugabe geeigneter Homöopathika verbessert werden. Bei akuten Schmerzen bieten sich zum Beispiel Spascupreel® und Neralgo-Rhem-Injeel® als Beimischung an. Auch Akupunktur selbst sehe ich als Behandlungsoption, eventuell mit Dauernadeln bzw. Akupunktmassage nach Penzel.

Je nach Meridianbezug wären unterstützende Homöopathika auch oral geeignet. Sollte eine Beziehung zum Gallenblasenmeridian bestehen, denke ich an homöopathisiertes Schöllkraut, Chelidonium D4, oder an Komplexmittel wie Galloselect® oder Phoenix Sylibum spag. Zur Magenstärkung kämen beispielsweise Iberogast® oder Gastro-Hevert® in Frage.

Ich möchte Ihnen vorschlagen, erst einmal diese recht einfachen Maßnahmen zu ergreifen und zu beobachten, ob die Schmerzen seltener oder weniger heftig auftreten. Das wäre dann schon ein Teilerfolg und ein Hinweis, dass die Therapie in die richtige Richtung führt und sich eine Stabilisierung erreichen lässt.


Aus der ärztlichen Praxis

Globuli und Enzyme gegen Parodontitis

Dipl.-Biol. Peter Emmrich
Frau Zahnschmerzen

Eine Parodontitis ist eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnfleisches, die im Volksmund auch Parodontose genannt wird. Hierbei kann es mitunter zu einer nicht mehr rückgängig zu machenden Schädigung des Zahnhalteapparates (Bindegewebe und Knochen) kommen. Deshalb fasst man eine Parodontitis heutzutage nicht nur als örtlich begrenzte Erkrankung des Zahnfleisches auf, sondern als Entzündungserkrankung des ganzen Patienten. Unbehandelt kann sie zum Zahnverlust führen.

Heidrun, eine 33-jährige erfolgreiche Architektin, arbeitete viel auf Baustellen. Gerade in der kalten Jahreszeit führten die Besuche dort bei zugigem Wind dazu, dass sie immer wieder ein Ziehen an einem Zahn oder einem ganzen Kieferareal verspürte. Beim Genuss heißer oder kalter Speisen oder von kalten Getränken verspürte sie dort einen einschießenden Schmerz. Sie konsultierte drei Zahnärzte, doch irgendwie wollte die Erkrankung nicht verschwinden. Einer operativen Sanierung der Entzündungsherde stand Heidrun äußerst kritisch gegenüber, da ihre beste Freundin nach einem solchen Eingriff für Wochen beruflich ausgefallen war. So suchte sie nach naturheilkundlichen Alternativen.

Generell empfand sie Wärme oder warme Anwendungen als angenehm. Nur heiße Getränke oder Speisen schmerzten im Mund. Sie liebte es, einen Schal zu tragen und legte bei der Auswahl der Mäntel großen Wert auf das Vorhandensein einer Kapuze, die ihr auf zugigen Baustellen gute Dienste leistete.

Heidrun war eine große, schlanke Frau mit ausgeprägten Lachfalten am äußeren Augenlid und blondem Haar. Sie gehörte zu den eher ruhigen, zarten und nachgiebigen Persönlichkeiten, welche einen ausgeprägten Mangel an Selbstvertrauen haben, den sie durch intensives Training in Spezialkursen durch selbstsicheres Auftreten zu übertünchen gelernt hatte. Obgleich sie unumstößliche Überzeugungen vertrat, konnte sie im Alltag äußerst schreckhaft sein.

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Naturheilkundlicher Rat

Weißflecken-Krankheit – Vitiligo

Antwort von: Dr. med. Ella Neumann

Es fing mit einem weißen Fleck am Oberschenkel an, dann haben sich innerhalb der letzten vier Jahre auf meinem ganzen Körper weitere weiße, meist rundliche Flecken entwickelt. Kortison hat nichts bewirkt. Eine Internistin sprach von Autoimmunerkrankung, die die Pigmente zerstört. Können Sie mir weiterhelfen?

Die Ursache, warum es bei der Weißfleckenkrankheit zum Verlust der Pigmente kommt, ist immer noch unbekannt. Derzeit werden mehrere Hypothesen diskutiert: Nach der Autoimmunhypothese produziert der Körper Antikörper, welche die körpereigenen, Pigment produzierenden Zellen (Melanozyten) zerstören, so dass das Hauptpigment Melanin nicht mehr gebildet werden kann. Bei der Selbstzerstörungshypothese wird davon ausgegangen, dass sich die Melanozyten selbst zerstören.

Nach der Neuralhypothese werden die Melanozyten von einem Stoff zerstört, der von den Hautnerven gebildet wird. Nicht zuletzt wird die Katalase-Theorie diskutiert, die besagt, dass das Enzym Katalase in den weißen Hautflecken nur noch teilweise aktiv ist und es deshalb zur Anhäufung des Bleichmittels Wasserstoffperoxid (H202) kommt, das die Bildung von Melanin hemmt und zur Zerstörung der Melanozyten führen kann.

Vermutlich ist nicht eine Ursache allein an dem Auftreten der Vitiligo beteiligt, sondern mehrere Faktoren – eventuell auch noch unbekannte. Ganz offensichtlich spielen auch Sonnenbrände, Hautverletzungen sowie Stress und psychische Belastungen eine Rolle. Da die Weißfleckenkrankheit in einigen Familien gehäuft vorkommt, ist auch eine genetische Veranlagung zu vermuten.

Einige Patienten leiden gleichzeitig unter anderen Autoimmunerkrankungen wie etwa an einer chronischen Schilddrüsenentzündung (Autoimmunthyreoiditis: Hashimoto, M. Basedow), einem kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) oder Typ-1-Diabetes.

Heilbar ist die Vitiligo leider nicht. Auch lässt sich keine Voraussage darüber machen, wie sie sich mit oder ohne Therapie weiterentwickelt. Bei manchen Menschen verkleinern sich allerdings die weißen Flecken wieder. Bei anderen kommt die Erkrankung zum Stillstand. Es gibt aber auch Patienten, bei denen sich die Flecken immer weiter ausbreiten und die Verbreitung erst nach Jahren zum Stillstand kommt oder auch nie. Herde, die weiter voranschreiten sind am Rand etwas vorgewölbt (konvex), „stabile“ Flecken in der Rückbildung flachen sich am Rand ab (konkav).

Die Flecken jucken und schmerzen zwar nicht, doch wegen der optischen Beeinträchtigung können psychologische Behandlungen sinnvoll sein. Außerdem gibt es kosmetische Abdeckcremes (Camouflage-Make-up), die wasser- und abriebfest sind.

Da eine ursächliche Behandlung bisher noch nicht möglich ist, richtet sich die Therapie vornehmlich auf eine „Repigmentation“ der betroffenen Areale. Man geht davon aus, dass in den weißen Arealen noch Pigmentzellen vorhanden sind. Diese werden durch Lichteinwirkung zum Wachstum angeregt und wandern wieder in die Haut ein.

Jeder Patient reagiert anders auf die verschiedenen Therapien, nicht jede Behandlungsform wirkt bei jedem Betroffenen. Behandelt wird vor allem mit UV-Licht, allerdings in unterschiedlichen Methoden: Die meisten Ärzte empfehlen eine UVB-311-nm-Lichttherapie. Behandelt wird damit meist über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Bei der PUVA-/KUVA-/PAUVA-Lichttherapie cremt der Patient die weißen Haut-areale mit photosensiblen Salben ein und lässt sich anschließend mit UVA-Licht bestrahlen. Alternativ kann man vorab auch ein Bad mit diesen Substanzen nehmen.Eine weitere Lichttherapie ist mit dem 308-nm-Excimer-Laser möglich. Er erzeugt ein Licht mit der Wellenlänge von 308 nm und wird bevorzugt bei einzelnen Herden und kleinflächigeren Flecken eingesetzt, weil diese damit gezielt bestrahlt werden können.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bietet die Pigmentzelltransplantation, jedoch nur bei stabiler, nicht voranschreitender Vitiligo. Dabei wird unter lokaler Betäubung aus einem gesunden Areal ein Stückchen Haut entnommen, um daraus Pigmentzellen zu isolieren und zu einer Pigmentzelllösung zu verarbeiten. Die zu behandelnde Stelle wird mit einem ablativen Laser aufgeraut, um dann die Lösung mit den Pigmentzellen auf diese Stellen zu „verpflanzen“. Anschließend erfolgt auch hier eine UV-Behandlung. Sinnvoll unterstützt werden kann eine Vitiligo-Behandlung grundsätzlich mit der Gabe von Ginkgo biloba, Folsäure, Vitamin C und Vitamin B12.

Kortisoncremes kommen am ehesten bei Kindern vorrübergehend zum Einsatz, da bei ihnen zurückhaltend mit UV-Licht gearbeitet wird. Die Wirkungen sind zum Teil gut, teilweise auch ganz ohne Erfolg.

Sonnenschutzmittel mit einem extrem hohen Lichtschutzfaktor sowohl für UVA- als auch UVB-Strahlung sollten täglich angewendet werden, vor allem bei Flecken im Gesicht. Sie schützen die pigmentlose Haut vor starken Sonnenbränden und die gesunde Haut bräunt nicht so stark, so dass der optische Kontrast von betroffener zu gesunder Haut etwas abgemildert wird. Zur Hauttönung gibt es auch Beta-Carotin-Tabletten, doch färben diese die weiße Haut gelb-orange.

In der Praxis werden von den erwähnten Behandlungsmöglichkeiten meist verschiedene Therapien kombiniert.


Was mir geholfen hat

Reiten löste das HWS-Syndrom

Reiterin am Waldrand

Maria Luise Wohner (Name geändert) führte drei Jahrzehnte lang ihre Schüler zum Abitur. Aufgrund unzähliger Stunden am Schreibtisch hatten sich die Muskeln von Schultern, Nacken und Rücken verspannt. Diszipliniert arbeitete sie regelmäßig unter Anleitung von Physiotherapeuten dagegen an – bis sie das Reiten für sich entdeckte. Seitdem hält ihr Pferd sie schmerzfrei.

Über drei Jahrzehnte gelang es mir, meine Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahre in Englisch und Biologie erfolgreich zum Abitur zu führen. Neben einer fundierten Wissensvermittlung versuchte ich auf meine Schüler einzugehen und eine positive, vertrauensvolle Lernatmosphäre zu schaffen. Das verlangte Tag für Tag nicht nur hohe Konzentration im belebten Klassenzimmer, sondern auch bei zahllosen Stunden gewissenhaften Korrigierens. Für mich war es spannend, persönliche Entwicklung und Reifung meiner Schüler mitzuerleben. Weniger erfreulich gestaltete sich die Entwicklung meiner Gesundheit nach zahlreichen Jahren des Lehrens.

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Aus der ärztlichen Praxis

Immer mit der Ruhe bei Osgood Schlatter

Dr. med. Domenica Engelhardt
Junge wandert mit Rucksack

Wachstumsbeschwerden am Knie.

Der 14-jährige Luca saß auf der Untersuchungsliege und klagte über Knieschmerzen, besonders bei sportlicher Belastung. Der schlanke, dunkelhaarige Junge spielt schon seit dem fünften Lebensjahr begeistert Handball. In den letzten Wochen waren die Schmerzen so massiv geworden, dass er sogar Probleme hatte, Treppen zu steigen. Vor allem die Beugung des Knies, Sprints und Sprünge belasteten extrem. Ruhe linderte den Schmerz, er verschwand jedoch nie ganz. Bei der Untersuchung fand sich knapp unterhalb der Kniescheibe des rechten Beins eine leicht verdickte, druckschmerzhafte Stelle. Um eine Fraktur auszuschließen wurde das Knie geröntgt, wodurch sich die Diagnose Morbus Osgood Schlatter erhärtete.

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Naturheilkundlicher Rat

Rheumatoide Arthritis

Antwort von: Dr. med. Rainer Matejka

Nach wochenlanger Schwerarbeit beim Holzmachen litt mein 79-jähriger vitaler Ehemann vor einem halben Jahr unter Schwellungen der Handgelenke, Morgensteifigkeit und Schmerzen. Der Arzt diagnostizierte eine rheumatoide Arthritis und verordnete Kortison, sowie Lantarel® und Folsäure. Die Entzündungswerte haben sich während vier Monaten kontinuierlich gebessert und sind seit einer Woche im Normbereich. Um einen Rückfall zu vermeiden, besteht der Arzt darauf, dass mein Mann die Medikamente weiterhin in dieser Stärke einnimmt. Da auch ein Zahnherd Rheuma auslösen kann, wurde ein Zahn vor zwei Monaten gezogen. Wir vermuten, dass die normalisierten Entzündungswerte auch darauf zurückzuführen sind. Muss mein Mann denn weiterhin mit diesen schweren Mitteln therapiert werden?

Wie Sie schreiben, vermuten Sie einen Zusammenhang zwischen der Zahnbehandlung und dem Rückgang der Entzündungswerte. Einen ursächlichen Zusammenhang kann man zwar annehmen, aber nicht voraussetzen, weshalb ein sofortiges Absetzen der Medikamente im Hinblick auf einen Rückfall ein zu hohes Risiko darstellt. Wenn es stimmt, dass die Beschwerden ihres Mannes und die Entzündungswerte weitgehend rückläufig und gebessert sind, würde ich zunächst versuchen, das Kortison weiter abzusenken, beispielsweise auf 2,5 mg oder 2 mg.

Lantarel®, ein Basistherapeutikum bei Rheuma, würde ich in der Dosis zunächst noch beibehalten und schauen, ob die Kortisonminderung gut vertragen wird. Wenn ja, könnte man nach einigen Wochen die Medikamente schrittweise reduzieren, aber nicht vorschnell absetzen.

Aus naturheilkundlicher Sicht sind folgende Nahrungsergänzungen sinnvoll, da sie die Entzündungsbereitschaft senken: hochdosierte Omega-3-Fette (mindestens 2 g freie Fettsäuren/Tag), Selen (nach Vollblutergebnis), Vitamin C (am besten als Hochdosis-Infusion) und Vitamin D. Auch Weihrauch und Enzyme machen Sinn.

In der Ernährung sollten Sie entzündungsfördernde Nahrungsmittel meiden. Dazu gehört vor allem rotes Fleisch mit seiner entzündungstreibenden Arachidonsäure. Auch glutenhaltige Nahrungsmittel, also unsere Getreidesorten und die daraus hergestellten Produkte sowie diverse Fertignahrungsmittel, die Gluten als eine Art Bindemittel enthalten, sollten Sie weitgehend meiden, da auch sie Entzündungen ungünstig beeinflussen. Sehr günstig wirkt dagegen basische Kost mit Kartoffeln und Gemüse. Alles Weitere müsste man von der Entwicklung der Entzündungswerte und dem subjektiven Empfinden abhängig machen.


Naturheilkundlicher Rat

Was tun bei Veranlagung zur Venenschwäche?

Antwort von: PD Dr. med. Rainer Brenke

Meine gesamte Familie hat schwache Venen und musste sich z. T. Krampfadern ziehen lassen. Ich hatte die Hoffnung, dass es bei mir (56, männl.) nicht so schlimm kommt, da ich gesünder esse, mich mehr bewege, morgens gezielt Fußgymnastik mache und tagsüber – wann immer möglich – die Füße hochlege. Doch seit etwa gut zwei Jahren zeigen sich vom Fuß aufsteigend vermehrt Krampfadern, wo früher nur Besenreiser zu sehen waren. Was kann ich noch tun?

Venenleiden sind häufig mit einer anlagebedingten, allgemeinen Bindegewebsschwäche kombiniert und kommen daher wie bei Ihnen familiär gehäuft vor. Entscheidend ist also die Veranlagung. Früher oft angeschuldigte Ursachen wie Sonne, Wärme oder Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen, scheinen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Der Schweregrad reicht von den wenig komplikationsträchtigen, eher kosmetisch störenden Besenreisern über deutlich sichtbare Krampfadern bis hin zum offenen Bein. Das Wort „Krampfadern“ lässt sich aus dem Althochdeutschen „krimpfan“ = „krümmen“ ableiten. Krampfadern verursachen Schwellungen und „schwere Beine“.

Für die schwereren Venenleiden sind oft nicht mehr funktionierende Venenklappen in den Verbindungsvenen zwischen oberflächlichen und tiefen Venen verantwortlich. Normalerweise sorgen die Klappen dafür, dass das Blut – aktiviert durch die Muskelpumpe beim Gehen – nur von den oberflächlichen in die tiefen Venen fließen kann. Funktionieren die Venenklappen nicht mehr, drückt man mit jedem Schritt Blut aus den tiefen Venen in die oberflächlichen – es entstehen die typischen Krampfaderknoten. Auch in den großen, längs verlaufenden Venen der Beine gibt es Venenklappen, die einen Rückfluss des Blutes verhindern, solange sie intakt sind.

Wenn die Venenwände geschädigt sind und das Blut durch Aussackungen im Sinne von Krampfadern langsamer fließt, kann sich auch eine Thrombose, das heißt, ein Blutgerinnsel entwickeln.

Die Frage ist naheliegend, ob und wie man bei den ersten Anzeichen eines Venenleidens das Fortschreiten verhindern bzw. zumindest eindämmen kann. Im Frühstadium können einfache Maßnahmen und naturheilkundliche Anwendungen helfen.
Sinnvoll ist ein Ernährungsprogramm, das Übergewicht vermeidet oder reduziert. Das ist besonders wichtig, wenn der Bauch betroffen ist, da hoher Druck im Bauchraum den Rückfluss des Blutes zum Herzen behindert, der Druck in den Venen ansteigt und dadurch die Bildung von Krampfadern begünstigt.

Im Tagesablauf sollte man die alte Regel beherzigen: „Liegen und Gehen sind besser als Sitzen und Stehen“. Liegen oder Hochlagern der Beine vermindert den Druck in den Venen. Durch das Gehen wird die Muskelpumpe angeregt. Überhaupt ist Bewegung eine sinnvolle Maßnahme zur Vorbeugung und Behandlung von Venenleiden. Bestehen aber wie bei Ihnen bereits deutlich sichtbare Krampfadern, so muss der Rat zur Bewegung präzisiert werden. Bei nicht funktionstüchtigen Klappen in den Verbindungsvenen vom oberflächlichen zum tiefen Venensystem presst man – wie gesagt – mit jedem Schritt Blut aus den tiefen Venen in die oberflächlichen und kann damit im ungünstigsten Fall das Venenleiden weiter verschlechtern. Der richtige Rat muss daher heißen: Reichlich bewegen, aber mit Kompressionsstrümpfen! Diese engen bei der Aktivierung der sogenannten „Muskelpumpe“ besonders im Wadenbereich die oberflächlichen Venen ein und verhindern einen Druckanstieg in den Venen beim Gehen oder auch bei einer „Fußgymnastik“.

Kompressionsstrümpfe gibt es in unterschiedlichen Stärken und Ausführungen. Außer beim Arzt kann man im Sanitätshaus zu diesem Thema gut beraten werden. Im Allgemeinen reichen „rund gestrickte“ Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse 2 aus. Wird eine Schwellung über Nacht nicht mehr besser, so ist von einer Beteiligung der Lymphgefäße auszugehen. Dann sind neben einer Kompressionstherapie (zeitweise auch mittels Bandagen) weitere Maßnahmen wie die Lymphdrainage angezeigt.

Häufig unterschätzt wird die positive Wirkung des kalten Wassers. Kaltreize sind in ihrer Wirkung sehr gut untersucht. Sie stärken die Venenwände, indem sie die Spannkraft erhöhen. Praktisch können kalte Auflagen, besser kalte Güsse mit einem dicken Wasserstahl oder Wassertreten zum Einsatz kommen. Wählt man kalte Auflagen oder Wickel, so kann man die Wirkung weiter verstärken, etwa durch Zusätze wie Retterspitz® äußerlich. Bei entzündeten Venen hat sich auch eine Auflage mit kaltem Quark bewährt, wobei der Quark auf einer Mullkompresse ausgestrichen wird.

Andere, hilfreiche äußerliche Anwendungen sind etwa Zusätze mit Heparin, einem Stoff, der die Blutgerinnung hemmt und daher sinnvoll zur Vorbeugung einer Thrombose wäre. Es ist aber ungeklärt, inwieweit derartige Inhaltsstoffe in ausreichendem Maß über die Haut eindringen können. Auf jeden Fall wirken solche Präparate pflegend auf die Haut und gegebenenfalls auch kühlend.

Viele Patienten schwören auf pflanzliche Mittel. Besonders gut untersucht sind Rosskastanienpräparate. Medizinisch wirksam sind alkoholische Trockenextrakte aus den Samen der Rosskastanie. Sie sollen die Venen abdichten, wodurch die Schwellungsneigung abnimmt, auch ein eventuell vorhandener Juckreiz. Außerdem lindern sie Entzündungen. Rosskastanienpräparate sind auf den wirkungsvollen Inhaltsstoff, das Aescin, standardisiert. Anfänglich sollte die tägliche Dosis bei mindestens 100 mg Aescin liegen, später kann sie auf 60 bis 40 mg gesenkt werden. Nebenwirkungen sind selten, gelegentlich treten leichte Übelkeit oder Völlegefühl auf. Über geeignete Präparate kann man sich in der Apotheke beraten lassen.

Außer der Rosskastanie wird auch dem Trockenextrakt aus rotem Weinlaub eine positive Wirkung nachgesagt. Auch hier gibt es entsprechende Mittel. Auf jeden Fall sollte man bei allen Präparaten die Hinweise in der Packungsbeilage beachten – wie die empfohlene Dosis oder auch die Dauer der Einnahme.

Eine traditionelle naturheilkundliche Behandlung einer akuten oberflächlichen Venenentzündung – der so genannten Thrombophlebitis – stellen Blutegel dar. Sie sondern beim Biss einen gerinnungshemmenden Stoff ab und bringen die Entzündung schneller zum Abklingen. Durch die Entwicklung moderner Medikamente wird die zeitaufwendigere Blutegeltherapie zumindest bei Krampfadern seltener angewandt. Bei Krampfaderbeschwerden im Frühstadium sind sie nicht geeignet.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, um auf einfache Weise der Verschlechterung eines Venenleidens entgegen zu wirken. Welche Anwendung man wählt, hängt vom Befund und auch von den Möglichkeiten zu Hause ab.


Was mir geholfen hat

Hohe PSA-Werte: Immunstärkung gab Lebensenergie

Bärlauch mit Blüten auf Teller

„Jede Krankheit enthält die Aufforderung, die Ursache zu erkennen und sie abzustellen“ ist die Devise von Hansjörg Klopper. 73-jährig wird er selbst von einer alarmierenden Erkrankung herausgefordert. In Eigen-initiative sucht er alternative Wege zur Erhaltung seiner Lebensenergie – in voller Verantwortung für sich.

Foto: panthermedia.net/ChiCasting