Aus der ärztlichen Praxis

Heilwasser linderte Fußsohlen-Schmerz

Dr. med. Sebastian Boekels, Jahrgang 1969, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren. Lehrauftrag an der Universität Düsseldorf. Seit 1999 zusammen mit seiner Frau in der Nähe von Krefeld niedergelassen.
Mann trinkt Wasser

„Meine Güte, ich hab´ solche Schmerzen an den Fußsohlen! Ich kann kaum noch laufen. Die ersten Schritte tun mir so weh, dass ich mir vorkomme wie ein alter Mann“ klagte Stephan V. „Dabei bin ich doch erst 42!“

So wie er leiden viele Menschen unter chronischen Schmerzen der Füße. Häufig betroffene Stellen sind dabei das Fersenbein, die Fußsohle vor der Ferse und die Achillessehne. Die Beschwerden werden je nach Auftreten unterschiedlich bezeichnet: Befindet sich der Schmerz am Ansatz der Achillessehne, spricht man von Achillodynie, schmerzt die Sohle, nennt man das „Plantarfasziitis“. Wenn Muskeln, Knochenhaut und Sehnenansätze lange Zeit entzündet sind, können Verkalkungen entstehen, die als „Fersensporn“ bezeichnet werden.

Foto: Deutsche Heilbrunnen


Naturheilkundlicher Rat

Störende Ekzeme am Kopf

Antwort von: Anita Kraut, Heilpraktikerin

Ich bin 30 Jahre alt und leide an einem Ekzem am Kopf. Die Hauterscheinungen bilden sich auf Kopfhaut, Nase und Ohren. Nase und Wangen sind gerötet, die Haut schuppt sich und in den Ohren bilden sich große Mengen Ohrenschmalz. Fachärzte können neben der Diagnose „Seborrhoisches Ekzem“ nur Kortison anbieten. Ich möchte es aber nicht verwenden. Haben Sie eine Idee, was mir helfen könnte?

Aus der Feme lassen sich Hautveränderungen kaum fachmännisch beurteilen. Doch es gibt einige interessante Zusammenhänge, aus denen therapeutische Möglichkeiten abgeleitet werden können: Eine Hautkrankheit erscheint nicht wahllos irgendwo auf der Körperoberfläche. Es besteht immer eine Beziehung zu inneren Organen und zum seelischen Befinden. Der Bezug zu Organen ist relativ einfach: Entweder liegt die Hautveränderung direkt über dem Organ, oder sie verläuft entlang der Akupunktur-Meridiane der Organe oder auf bekannten Bezugspunkten. Die Hautkrankheit deutet schon alleine durch den Ort, der von ihr „gewählt“ wurde, darauf hin, welche Störung im Körper zuerst zu beheben ist. Die äußerliche Behandlung ist demnach nur zweitrangig. Sie soll die Heilung unterstützen und die Haut beruhigen.

Sie schreiben, dass die Hautveränderungen neben der Kopfhaut auch auf Nase, Wangen und Ohren zu finden sind. Wenn wir zuerst nach äußeren Einflüssen suchen, so fällt auf, dass die Bereiche von Nase, Wangen und Ohren bei Brillenträgern in Kontakt mit den Brillenmaterialien kommen. Sollten Sie eine Brille tragen, könnte es von einer Unverträglichkeit zum Beispiel von MetalIbügeln, Plastikbügeln und anderen Teilen der Brille herrühren. Ziehen Sie ihren Optiker zu Rate!

Über die Kopfhaut ziehen sich die Akupunktur-Meridiane von Blase und Galle sowie innere Äste von Leber und Niere. Sind diese Organsysteme überlastet, scheidet die Kopfhaut angefallene Stoffwechselschlacken und Giftstoffe über eine vermehrte Schuppen- und Talgproduktion aus. Daher ist es wichtig, reichlich zu trinken (am besten stilles Wasser) sowie Alkohol zu meiden. Unterstützend für Niere/Blase wären beispielsweise die Solidago-Tropfen Nestmann oder Relix spag. Peka Tropfen. Der Leber/Galle tun Legana® Extrakt-Kapseln sehr gut.

Es gibt noch einen weiteren Hinweis: Es ist dies der Bezug zum Darm – hier vor allem zum Dünndarm. Der obere Wangenbereich steht in Beziehung zum Dünndarm, ebenso der Gehörgang. Dies klingt eigenartig, liegt aber daran, dass der Vagusnerv über den äußeren Gehörgang, am Hals entlang, zum Darm verläuft, und hieraus auch „Rückkopplungen“ möglich sind. Das bedeutet beispielsweise, wenn Ihre Darmflora gestört ist oder Sie an Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten leiden, kann dies zu Jucken im Gehörgang führen, sowie zu vermehrter Ohrenschmalzbildung. Ich empfehle Ihnen daher eine fundierte Darmsanierung mit vorheriger Stuhluntersuchung bei einem ganzheitlichen Therapeuten.


Aus der ärztlichen Praxis

Mit Pflanzen und Vitaminen wieder fit

Dipl.-Biol. Peter Emmrich, Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie, Naturheilverfahren, Chirotherapie, Akupunktur und Sportmedizin
Kaktusfeige

Eines Tages kam der 36-jährige Büroleiter Harald M. (Name von der Redaktion geändert) in meine Praxis und klagte über „totale Überlastung“.

„Diese Flut an Mails und SMS-Nachrichten neben der herkömmlichen Briefpost, rund hundert Telefonate täglich und die vielen Fragen der Büromitarbeiter bringen mich fast an den Rand eines Nervenzusammenbruchs“, schilderte er die Situation. „Aber soweit möchte ich es nicht kommen lassen. Seit fast drei Monaten schlafe ich nachts maximal drei bis vier Stunden – und erwache jeden Morgen völlig erschöpft mit dem Gefühl, die ganze Nacht nicht geschlafen zu haben. Abends liege ich stundenlang im Bett, wälze mich herum und kann nicht einschlafen, weil mir tausend Dinge im Kopf herumgehen. So kann das nicht weitergehen.“

Foto: cameel/Fotolia


Was mir geholfen hat

Schlafapnoe – Zimmergenossin deckte sie auf

Frau setzt Atemmaske auf

Die allein lebende Astrid Kurz (Name geändert) schob ihre häufige Tagesmüdigkeit auf ihre eingeschränkte Nierenfunktion. Bei einem Trainingswochenende mit ihrem Chor teilte sie ein Zimmer mit einer Sängerin. Das brachte einen Stein ins Rollen. Ihr nächtliches Schnarchen wertete die Mitsängerin als Gesundheitsrisiko – der Impuls für eine ärztliche Abklärung und bessere Lebensqualität.

Foto: JPC-PROD/Shutterstock


Was mir geholfen hat

Entstörung der Narben: endlich beschwerdefrei

Rückenmassage

Bei einem Sturz knickte Marianne Rösner mit dem Knöchel um und zog sich einen Trümmerbruch des Sprunggelenkes zu. Metallplatten wurden eingesetzt. Komplikationen erforderten mehrfache Nachoperationen. Nach sechs Jahren erfolgte eine Gelenkversteifung, doch Belastungsschmerzen und Schwellungen blieben. Hilfe brachten eine Narbenentstörung und Akupunktmassage nach Penzel.

Es war die letzte Stufe der Außentreppe, von der ich vor sechs Jahren stürzte und mir einen komplizierten Bruch des Sprunggelenks zuzog. Die Knochen wurden mit Metallplatten, Schrauben und Drähten stabilisiert. Der Knöchel und das Bein blieben jedoch hartnäckig geschwollen, und der Fuß schmerzte. Die folgenden drei Jahre konnte ich mich teilweise nur mit Krücken fortbewegen.

Foto: Maran Garai/Shutterstock


Was mir geholfen hat

Augentraining und Brille lösten Schmerzproblem

Frau beim Optiker

Christina Bartsch litt bereits als Kind unter Kopfschmerzen, die sich später massiv steigerten. Hinzu kamen Schulter- und Hüftbeschwerden. Ein Osteopath empfahl Schuheinlagen für eine bessere Körperstatik sowie eine Zahn-Entlastungsschiene. Doch erst sein Tipp, die Augen untersuchen zu lassen, führte zur Schmerzursache

Kopfschmerzen begleiteten mich seit meiner Kindheit und quälten mich besonders beim Lernen. Später dehnten sich die Beschwerden auf Nacken und Schultern aus. Als das Abi-tur nahte, plagten mich wöchentlich oft vier Schmerztage.

Osteopath fand Schmerzursache

Auf Drängen meiner Mutter suchte ich einen Osteopathen auf. Er erfragte all meine Beschwerden, überprüfte Körperstatik, Beweglichkeit der Wirbelsäule, Stärke der Muskeln und suchte nach schmerzhaften Punkten im Gewebe. Schließlich empfahl er Einlagen für die Schuhe sowie eine Entlastungsschiene für meine Zähne. Außerdem überwies er mich an einen Augenarzt, da er eine leichte Fehlstellung meiner Augen vermutete.

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Aus der ärztlichen Praxis

Immunsystem im Darm gestärkt

Dr. med. Sebastian Boekels, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren
Kernkraftwerk

Im Frühsommer 2008 kam der 25-jährige Andrej G. erstmals in die Praxis. Er war gerade drei Jahre alt gewesen, als sich 1986 die Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl ereignete, welche weltweit für verheerende Auswirkungen gesorgt hatte. Seine Eltern und er lebten damals in einem kleinen Dorf unweit des Reaktors. Glücklicherweise zog die radioaktiv verseuchte Wolke in die andere Richtung. Monate später, nachdem auch in der ehemaligen Sowjetunion der Unfall publik geworden war, siedelte die Familie zu einem Onkel nach Deutschland über.

Von klein auf war Andrej ständig krank. Mal litt er unter starken Halsinfektionen, mal taten ihm die Ohren weh oder er lag für Wochen mit einer schweren Bronchitis im Bett. Unzählige Arztbesuche mit regelmäßigen Antibiotikagaben hatte er über sich ergehen lassen, stets in der Hoffnung, gesund zu werden. Die Lymphknoten im Kieferwinkel waren als Zeichen einer Immunreaktion fast das ganze Jahr über deutlich tastbar vergrößert.

Foto: eyetronic/Fotolia


Naturheilkundlicher Rat

Ödembildung nach Prostataoperation

Antwort von: Dr. med. Rainer Matejka

Vor knapp einem Jahr bin ich an Prostatakrebs robo-terunterstützt operiert worden (DaVinci-Methode) – allerdings mit Komplikationen. Es sammelte sich Lymphe in einem dafür nicht vorgesehenen Raum im Unterleib an (Lymphozele), und nach der Reha entwickelte sich außerdem eine ödematöse Schwellung über dem Schambereich. Die Schwellungen erfassten auch die Beine, so dass ich jetzt Stützstrümpfe tragen muss und Lymphdrainage bekomme. Kann man gegen den Lymphstau etwas tun? Die Urologen sind ratlos.


Naturheilkundlicher Rat

Blutverdünnung mit Aderlass und Aspirin

Antwort von: Dr. med. Rainer Matejka

Seit knapp fünf Jahren erhalte ich zur Blutverdünnung wöchentlich eine Infusion mit einem halben Liter Kochsalzlösung 0,9 %. Dazu werde ich alle 5 bis 6 Wochen zur Ader gelassen, wobei 0,3 Liter Blut entnommen werden. Anlass dafür war ein Zentralvenenverschluß im linken Auge vor gut fünf Jahren. Zusätzlich versuchte ich, die Fließeigenschaft des Blutes auch durch vegetarische Kost zu verbessern. Ich verwende außerdem entzündungshemmende Omega-3-Öle und meide sämtliche Milchprodukte. Meine Knieprobleme sind dadurch bereits verschwunden. Den Vorschlag meiner Ärztin, die Behandlung mit Aspirin® weiterzuführen, habe ich wegen der im Beipackzettel erwähnten Nebenwirkungen bisher abgelehnt. Inzwischen neige ich allerdings zu dieser Therapie, da die Infusionen mit Salzwasser auf Dauer möglicherweise auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Der Hämatokritwert liegt derzeit bei 43,7 Prozent, der Fibrinogenwert bei 2,5 Gramm pro Liter Blutplasma. Bitte helfen Sie mir bei der Entscheidung.


Was mir geholfen hat

Fastenwandern beruhigte heiße Arthritis-Hände

Katrin Gabriel
Wandergruppe genießt Aussicht

Erste kleine Deformierungen zeigten sich an Katrin Gabriels Händen vor 15 Jahren. „Da kann man nichts machen“ so ihr Hausarzt. Sie ergriff selbst die Initiative und konnte eine Versteifung der Gelenke hinauszögern. In einer intensiven Schaffensphase als Malerin bekam sie „heiße Hände“ und konnte den Schub ohne Medikamente – mit Fastenwandern – stoppen.

Erste Anzeichen der Arthritis meldeten sich vor 15 Jahren mit kleinen Ausbeulungen an den Zeigefingern, zunächst als rein kosmetisches Problem. Doch ich kannte die späteren Handverformungen und Gelenkversteifungen von beiden Großmüttern, auch von meiner Mutter. „Da kann man nichts machen“, so mein Hausarzt. Rheumafaktoren waren im Blut nicht nachzuweisen. Später konnte ich nur noch unter Schmerzen die Ölfarbe auf die Leinwand bringen. Der Arthritis-Schub zwang mich zum Pausieren – mitten in einer intensiven Schaffensphase. Nun übernahm ich selbst die Initiative und wurde im Laufe der Jahre zur Expertin für naturheilkundliche Maßnahmen.

Naturheilkunde verzögert Krankheit

Meine rheumatoide Arthritis ist eine chronische, in Schüben verlaufende Gelenkentzündung. Eigene Antikörper greifen die Gelenkstrukturen an und können sie letztlich zerstören. Heiße Hände sig-nalisieren eine akute Entzündung. Ich versuchte möglichst entzündungshemmend zu leben. Lebensmittel mit der entzündungsfördernden Arachidonsäure – ein Bestandteil tierischer Fette – meide ich seit 15 Jahren, esse weder Wurstwaren, kaum Fleisch, vor allem kein Schweinefleisch, ebenso wenig Milch und Eier. Stattdessen kommen Fisch, frisches Gemüse, Salate, Obst, Vollkornprodukte und Walnüsse auf den Teller. Wegen der entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren nehme ich täglich einen Esslöffel Leinöl. Diese Kost schmeckt, stärkt Darmmilieu und Immunkraft.

Foto: Jürgen Fälchle/Fotolia


Naturheilkundlicher Rat

Selbsttest für Lebensmittel-Unverträglichkeiten?

Antwort von: Doris Paas, Ernährungs- und Gesundheitspädagogin

Da ich häufig unter Verdauungsbeschwerden leide, vermute ich bei mir eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit. Im Internet habe ich entdeckt, dass es Selbsttests für zu Hause gibt. Die genaue Anleitung dazu steht auf der Webseite und das Ergebnis soll nach wenigen Tagen zugeschickt werden. Sind solche Tests empfehlenswert?

Medizinische Selbsttests wie etwa Blutdruckmessung, Urinteststreifen oder digitale Blutzuckermessung unterstützen die Zusammenarbeit mit dem Arzt und fördern die Verantwortung für die eigene Gesundheit. Nun haben Pharmaindustrie und Labore auf die zunehmenden Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten reagiert und Selbsttests entwickelt, die vor allem im Internet angeboten werden. Es gibt Atemtests zur Feststellung einer Milchzucker- (Laktose), Fruchtzucker- (Fruktose) und Sorbit-Unverträglichkeit oder auch einer Dünndarmfehlbesiedlung. Zusammensetzung und Qualität der Darmflora können mit Stuhltests in einem qualifizierten Labor ermittelt werden.

Recht neu im Angebot sind Gluten-Tests zur Feststellung einer möglichen Unverträglichkeit des Klebereiweißes Gluten (Zöliakie). Im Dünndarm führt Gluten zu Entzündungen. Diese (lebenslange) Unverträglichkeit kann über bestimmte Antikörper im Kapillarblut sowie im Stuhl nachgewiesen werden. Bei diesen Tests gelingt jedoch die Abgrenzung zwischen der Zöliakie, einer schwerwiegenden Stoffwechselerkrankung, und der Gluten-Sensitivität nicht. So sehe ich den neuen „Gluten-Test“ besonders kritisch als Selbsttest. Er gehört unbedingt in die Hand einer Fachkraft, da zur Diagnosestellung weitere Tests erforderlich sind.


Was mir geholfen hat

Diabetes: runter vom Gewicht und neuer Lebensstil

Maria Leitner (Name geändert)
Radfahrerin, Herbst

Als Maria Leitner (Name geändert) Übelkeit und Krämpfe plagten, vermutete sie Nebenwirkungen kortisonhaltiger Tabletten. Doch der Arzt diagnostizierte einen „Zuckerschock“ mit über 470 mg/dl Glucose im Blut. Insulinspritzen wurden unumgänglich. Der Schock „plötzlich zuckerkrank!“ setzte aber auch heilsame Energien für einen gesunden Lebensstil frei und befreite sie von der Krankheit.

Viele Jahre ließ ich es mir gut gehen. Ich fühlte mich wohl, kurierte mit bewährten Hausmitteln und mied die Arztpraxis – bis ich mit 64 Jahren einen Bandscheibenvorfall erlitt. Der Orthopäde gab mir fast täglich eine „Dreifach-Spritze“ gegen Schmerzen und Entzündungen, sowie mit B-Vitaminen zur Stärkung der Nerven. Trotzdem konnte ich vor Schmerzen nur sitzend schlafen.

Nach vier Wochen wurde ich mit kortisonhaltigen Tabletten weiterbehandelt. Daraufhin bekam ich einen unstillbaren Durst. Dabei lief mir der Schweiß nur so herunter, begleitet von Krämpfen und Zittern. Ich dachte zuerst an meine psychische Belastung durch drei aktuelle Todesfälle und versuchte mir mit Magnesium und kalten Duschen zu helfen. Ohne Erfolg. Ich ging zum Arzt. Er spritzte ein Mittel zum Entkrampfen und nahm Blut ab. Am anderen Morgen rief er aufgeregt an: „Bitte kommen Sie so schnell wie möglich zur Notaufnahme ins Krankenhaus. Sie haben einen Zuckerschock mit extrem hohem Blutzucker von 470 mg/dl.“ Der Arzt spritzte Insulin. Täglich wurde nun mehrmals der Blutzucker gemessen und protokolliert, um die Insulinmenge anzupassen. Ich stand unter Schock, so plötzlich mit Diabetes konfrontiert zu sein, an dessen Folgen meine Nachbarin kurz zuvor verstorben war.

Foto: Halfpoint/Fotolia


Aus der ärztlichen Praxis

Zyklusstörung mit Pflanzen behoben

Heide Fischer, Ärztin und Mitbegründerin der Frauengesundheitszentren Heidelberg und Freiburg
Tanzendes Paar

Die 22-jährige Studentin kam zunächst nicht besonders motiviert in die Praxis. Mürrisch berichtete sie, dass ihre Mutter ihr zu dem Arztbesuch geraten (und ihn auch bezahlt) hatte. Eigentlich sei es ihr nicht unlieb, dass die Menstruation nur alle paar Monate käme, und die begleitenden Schmerzen hätte sie mit Schmerzmitteln ganz gut im Griff. Der Gynäkologe, den sie aufgesucht hatte, riet zu einer „Pille“, aber bevor sie das tue, wollte die Mutter sie doch einmal von mir beraten sehen.

Was sie sich denn selbst erhoffe, war meine Frage, und da kamen schon die Tränen. Sie stünde unter ihren Studienkolleginnen total unter Druck, weil sie keinen Freund habe und auch noch nie einen gehabt hätte. Sie habe solche Angst, was da auf sie zukäme, dass sie wohl alle Kandidaten in die Flucht schlage. Es folgte ein längeres Gespräch über Se-xualität und wovor genau sie sich denn fürchte. Nein, Übergriffe habe sie nie erlebt, sie sei einfach so schüchtern und verberge dies unter einem Mantel von „Borstigkeit“. Der Bann war gebrochen und die kluge junge Frau formulierte selbst die These, dass ihre Beschwerden mit ihrer Unsicherheit in Bezug auf ihre Weiblichkeit zu tun haben könnten.

Foto: Forgiss/Fotolia


Was mir geholfen hat

MCS: Reizstoffe meiden ist die einzige Therapie

Gabriele Hoss-Reinhard
Wanderrast im Gebirge

Der Kardiologe fand für die Herzrhythmusstörungen bei Gabriele Hoss-Reinhard keine Ursache und empfahl sie an einen Umweltmediziner. Dessen Diagnose lautete multiple chemische Sensibilität (MCS). Ihr Blut zeigte hohe Belastungen mit verschiedenen Chemikalien. Mit dem Wissen um die zahlreichen „Reizstoffe“ konnte sie sich endlich einen erträglichen Lebensraum schaffen.

Ich wusste nicht, wie mir geschah, als mir 1999 auf der Insel Föhr in unserer Ferienwohnung mit viel Plüsch und Teppichen ganz „schummrig“ wurde – Kreislaufversagen, Durchfälle, Schnupfen und Bronchitis. Der Urlaub endete für mich in der Inselklinik, wo ich 12 Tage verbrachte. Kochsalzinfusionen und Essen, auf das ich Lust hatte, sollten meinen aufgewühlten Organismus beruhigen. Bis ich fähig war, zu Mann und Kindern nach Hause zu reisen, benötigte ich weitere zehn Wochen. Dazu mietete ich mich in einer Allergiker-Wohnung ein. Ein Arzt begleitete meine langsame Erholung an viel frischer Luft. Allerdings provozierte seine anfängliche Kortisonbehandlung einen Rückfall und ließ mich auf 49 kg abmagern – bei einer Größe von 172 cm.

Daheim meldeten sich die zahlreichen Beschwerden erneut, oft kam Atemnot dazu. In einer Akutklinik zur Behandlung von Allergien wurden im Blut neben einer Allergie auf Sorbinsäure hohe Schadstoffbelastungen mit Chrom, Quecksilber, Titan, Nickel und anderen Stoffen gefunden. Bei dem Versuch, die Schwermetalle mit DMPS (einem chemischen Chelatbildner) auszuleiten, ging es mir hundeelend. Wir brachen die Behandlung ab. Um weitere Belastungen zu umgehen, habe ich beispielsweise alle Töpfe aus Cromargan durch Porzellan- und Emaille-Kochgeschirr ersetzt.

Foto: Thinkstock/PetarPaunchev


Aus der ärztlichen Praxis

Blaseninfekte ohne Antibiotika im Griff

Peter Emmrich, Facharzt für Allgemeinmedizin
Frau hält Wärmflasche auf Bauch

Mareike ist eine 42-jährige Fremdsprachenkorrespondentin eines großen Verlagshauses. Oft ist sie mehrere Tage mit Ihrem Chef auf Geschäftsreise unterwegs und meist passiert es auf der Rückreise: eine heftige Blasenentzündung macht ihr das Leben zur Hölle. Starke Schmerzen peinigen sie Tag und Nacht. Seit ihrem 18. Lebensjahr tritt diese Blasenentzündung immer wieder auf, mal monatlich und dann wieder erst nach zwei oder drei Monaten Pause. Meist helfen Antibiotika, aber oft muss sie starke Schmerzmittel nehmen, weil sie es einfach nicht mehr aushält. Nicht nur, dass ein ständiger Harndrang (Pollakisurie) besteht, auch die quälenden, stechenden Schmerzen zehren stark an ihrem mittlerweile schon sehr schwachen Nervenkostüm. Sie hat inzwischen bestimmt mehr als acht Urologen konsultiert und die Praxen meist lediglich mit einem Rezept über ein Antibiotikum wieder verlassen.

Blaseninfekt – ein Schleimhautproblem

Die Hintergründe dieser chronischen Schleimhautentzündung liegen allerdings woanders: 80 Prozent des Abwehrsystems sind im Darm etabliert. Via Blutbahn kommen die Abwehrzellen von dort zu allen Schleimhäuten des ganzen Körpers, auch zu den Augen, Ohren, Nase, Lunge, den Schleimhäuten der Urogenitalorgane sowie den Gelenkinnenhäuten. Ein hochkomplexes System also, das wir positiv stärken müssen, damit die Blasenschleimhaut genug Widerstandkraft erhält.

Foto: absolutimages/Fotolia


Naturheilkundlicher Rat

Hauterkrankung Granuloma anulare

Antwort von: Anita Kraut, Heilpraktikerin

Schon seit mehreren Jahren leide ich an der Hauterkrankung Granuloma anulare. Bisher waren alle Therapieversuche erfolglos. Können Sie mir einen Rat geben?

Granuloma anulare ist eine harmlose, nicht ansteckende, gutartige Hautveränderung. Meist findet man sie auf Fuß- und Handrücken als ringförmig angeordnete, sich ausbreitende, harte, blass-rot gefärbte Papeln oder Knötchen. Der Vorteil: Granuloma anulare zeigt keinen Juckreiz und heilt auch meist von alleine wieder narbenlos ab. Das Hauptproblem ist die Sichtbarkeit der Erkrankung, die zur seelischen Belastung des Betroffenen führt und auch Außenstehende verunsichern kann. Die Ursachen von Granuloma anulare sind unbekannt. Daher begrenzt sich die Schulmedizin bei der Therapie dieser Hautkrankheit auch meist auf Kortisongaben und Bestrahlungen mit UV-Licht – mit mehr oder weniger gutem Ergebnis.

In der Naturheilkunde berücksichtigen wir mögliche Grunderkrankungen, Lebensweise, Charakter des Patienten, Umfeld usw. Oft finden sich dann erstaunliche Gründe für das Auftauchen oder Verschwinden von Granuloma anulare. Einige Beispiele: Bei einem 7-jährigen Jungen tauchte Granuloma anulare am Po auf, nachdem er sich versehentlich in einen Ameisenhaufen gesetzt hatte. Als die durch das Ameisengift geröteten Hautstellen abgeheilt waren, entwickelte sich Granuloma anulare und heilte nach einem Jahr von selbst ab. Was jedoch nicht bedeutet, dass Ameisen oder andere Insekten grundsätzlich die Auslöser sind. Eine junge Frau war begeistert, dass mit Beginn ihrer Schwangerschaft ihr Granuloma anulare ganz verschwand, was für sie vorher jahrelang ein ästhetisches Problem war. Ein Mann mittleren Alters stellte seine Ernährung auf vegetarische Kost um. Seine Haut wurde gesund und das Granuloma anulare verschwand. Eine Dame mittleren Alters entdeckte erste Anzeichen für Granuloma anulare, als sie mitten in der Trennungsphase stand.


Naturheilkundlicher Rat

Artischockenpräparate zur Gewichtsreduktion?

Antwort von: Dr. med. Volker Schmiedel

Immer wieder gibt es neue „Wundermittel“ zur Gewichtsreduktion. Jetzt habe ich von einem Artischockenpräparat gehört. Die Artischocke wird dabei als natürlicher „Fatburner“ beschrieben. Das leuchtet mir ein. Können Sie mir sagen, ob das stimmt und welche Präparate geeignet sind?

Die Artischocke ist ein nährstoffreiches, gleichzeitig aber kalorienarmes Gemüse und als Bestandteil einer Diät sehr gut zur Gewichtsreduktion geeignet. 100 Gramm enthalten nur 20 kcal, dabei mehr als 10 Gramm Ballaststoffe. Es handelt sich also um ein sowohl energiearmes als auch ballaststoffreiches Gemüse, welches daher gut zur Sättigung beitragen kann. Die Artischocke ist damit aber nicht besser und nicht schlechter als die meisten anderen Gemüse. Wem Artischocken schmecken, der darf sie – genau wie alle anderen Gemüsearten – oft in seinen Menüplan einbauen. Das meinen Sie aber vermutlich nicht.

Sie sprechen vielmehr von Artischockenkapseln, die hoch konzentrierten Artischockenextrakt enthalten und damit ein pflanzenheilkundliches Medikament darstellen – auch wenn einige Hersteller ihr Präparat arzneimittelrechtlich als Nahrungsergänzung oder als diätetisches Lebensmittel haben registrieren lassen. Solche Artischockenmittel setze ich sehr gern bei Fettverdauungsstörungen ein, wenn diese von der Galle kommen.


Was mir geholfen hat

Anthroposophische Langzeit-Therapie heilte „Bechterew“

Brigitte Jauch
Frau, Hände am Rücken

Zuerst fühlte die 18-jährige Brigitte Jauch leichte Hüftschmerzen und eine Steifigkeit. Es folgten zehn Jahre mit schlaflosen Nächten und drei starken Schmerzschüben bis zur Diagnose „Morbus Bechterew“. Diese entzündliche Rheumaerkrankung der Wirbelsäule gilt als unheilbar. Doch anthroposophische Medizin konnte helfen.

Erstmals im Alter von 18 Jahren bemerkte ich im Liegen Schmerzen in der Hüfte. Nach dem Aufstehen fühlten sich die ersten Schritte steif an. Das war 1983. Sonst war ich sportlich, rank und schlank. Im Laufe der Zeit steigerten sich die Beschwerden. Nachts konnte ich nicht mehr durchschlafen. Schließlich lebte ich mit einem Dauerschmerz, auch tagsüber. Schmerzmedikamente lehnte ich ab, da mir die Ärzte nicht sagen konnten, an welcher Krankheit ich litt. Mit 22 Jahren erlebte ich einen starken Schmerzschub, zwei Jahre später folgte der nächste noch stärkere. Ich war bewegungsunfähig und wochenlang krankgeschrieben. Die Röntgenaufnahmen zeigten angegriffene Hüftgelenke. Im Alter von 25 Jahren rieten mir Klinik-Ärzte zu einem künstlichen Hüftgelenk. Ich lehnte ab.

Diagnosestellung erst nach elf Jahren

Inzwischen konnte ich nur noch Gesundheitsschuhe tragen – auch wenn dies im Service der gehobenen Gastronomie nicht gern gesehen ist! Doch Pumps verursachten prompt starke Hüft- und Rückenschmerzen. Wenn ich mal schräg auftrat, strahlten sie bis in den Kopf hoch. Es folgte 1994 ein extrem schmerzhafter Schub. Diesmal war die Wirbelsäule mitbeteiligt, weshalb sie erstmals auch geröntgt wurde. Dies führte zur Diagnose Morbus Bechterew, einer entzündlichen, rheumatischen Erkrankung, die bevorzugt die Wirbelsäule befällt und als unheilbar gilt. Ein Bluttest bestätigte, dass ich HLA-B27-Trägerin (HLA = Human Leukozyten Antigene) bin. Diese Eiweißstrukturen auf den Zellen signalisieren eine erhöhte Bereitschaft für die Krankheit.

Foto: Thinkstock/STEFANOLUNARDI


Aus der ärztlichen Praxis

Homöopathie stoppte heftige Durchfälle

Peter Emmrich, Facharzt für Allgemeinmedizin
Klohäuschen auf Berg

Die 53-jährige Lehrerin Sabine M. (Name von der Redaktion geändert) klagte darüber, seit fünf Jahren unter einem morgendlichen, wässrigen, reichlichen und spritzenden Durchfall zu leiden, welcher oft sehr übelriechend sei. Sie habe schon drei Darmspiegelungen (Koloskopien) über sich ergehen lassen, jedoch ohne Befund. Auch wurden keine krankhaften Erreger gefunden. Zwei Universitätskliniken hatten sie komplett auf den Kopf gestellt. Diagnose: Reizdarm.

Nicht immer ist ein Keim der Auslöser

Immer wieder begegne ich im Praxisalltag solchen scheinbar „unheilbaren“ Fällen. Oftmals, wenn nichts Organisches vorliegt oder die bekannten Erreger (Viren, Bakterien, Parasiten) negativ getestet wurden, bekommt der Patient letztendlich die Diagnose Reizdarm (lesen Sie hierzu auch den Naturarzt-Artikel „Strategien gegen Reizdarm-Symptome“ aus Ausgabe 7/2015). Die Dame kontaktierte zwar auch schon zwei Heilpraktiker, welche eine Symbioselenkung bei ihr durchführten, jedoch mit wenig bis keinem Effekt. Hierbei bekommt der Patient Keime verabreicht, welche zur natürlichen (physiologischen) Darmflora gehören und vermindert sind. Oftmals kommen solche, von Misserfolgen völlig frus-trierten Patienten nach langer Odyssee zum Homöopathen.

Die beschriebene Darmentleerungsstörung gleicht einer schmerzlosen Cholerainfektion, ohne dass ein Erreger nachweisbar wäre. Diese gussartig und teilweise übelriechende Darmentleerung bestand bei Frau M. nun schon seit Jahren. Es fand sich ein aufgetriebener Bauch, und beim sanften Druck im Bereich des rechten Oberbauches, also in der Region Leber/Gallenblase/rechte Dickdarmbiegung, ließ sich ein diskreter Schmerz auslösen.

Foto: iStockphoto/Silvrshootr


Was mir geholfen hat

Schlaganfall: trotz später Diagnose beruflich wieder fit

Renate Dibbern
Frau am PC

Erst der Augenarzt erkannte hinter dem Gesichtsfeld-ausfall der 45-jährigen Renate Dibbern einen Schlaganfall. Vier Tage waren verstrichen! Wertvolle Zeit für eine effektive Erstbehandlung! Es folgten 15 Monate Krankschreibung, in denen sie sich durch Eigeninitative und Willensstärke zu ihrer beruflichen Fitness als Programmiererin zurücktrainierte.

Als ich am 4. Juni 1996 frühmorgens unsere Kätzchen füttern wollte, schwankte plötzlich der Boden, ich konnte nicht mehr richtig sehen und mich orientieren. „Mit mir stimmt etwas nicht“, rief ich meinem Mann zu. Unser herbeigeeilter Hausarzt wies mich sofort in das nächste Krankenhaus ein.

Verspätete Diagnose – verspielte Heilchance

Die zahlreichen Untersuchungen brachten – bis auf einen erstmals erhöhten Blutzucker – keinen Befund, der die Ärzte zu einer Diagnose geführt hätte. Mit meinen Sehproblemen schickten sie mich Tage später zu einem Augenarzt, denn das Bild, das ich sah, war von den Seiten zusammengeschoben und im rechten oberen Drittel: Dunkelheit. Ich konnte nichts lesen, obwohl meine Augen in Ordnung waren. Sofort vermutete der Augenarzt einen Schlaganfall. Vier Tage waren seit dem Vorfall verstrichen – wertvolle Zeit für eine effektive Thrombenauflösung!

Foto: Thinkstock/Monkey Business Images